Sie befinden sich hier:   Startseite /  Stadtinfo / Straßennamen

Straßennamen

Allgemeines

Viele der 152 Straßennamen in Töging a. Inn erklären sich von allein - "Kirchstraße" oder "An der Bahn" bedürfen wohl kaum einer Deutung. Auch bei den vielen nach Städte- bzw. Flussnamen oder Blumen benannten Straßen erübrigt sich eine weitere Erklärung.

Wer aber war "Emil-von-Behring" oder "Ulrich-von-Hutten"? Wonach genau ist der "Huber am Ort" oder die "Kirschfeldstraße" benannt? Diesen Fragen auf den Grund gehen möchte die Töginger Homepage mit dieser neuen Serie.

Im Töginger Stadtblattl werden seit Dezember 2003 monatlich verschiedene Straßennamen aus Töging a. Inn erläutert und die Menschen vorgestellt, die mit ihren Namen Pate standen. Nachstehend finden Sie alle bisher im Stadtblattl erschienenen Berichte, alphabetisch sortiert.

Schreibweise

Zur richtigen Schreibweise von Straßennamen ist allgemein zu sagen, dass Straßen, deren Namensgeber in ihrer Schreibweise "unverfälscht" übernommen wurden, zusammen geschrieben werden (z. B. Rosenstraße, Alzstraße, Dürerstraße).

Straßennamen, deren Namensgeber in ihrer Schreibweise verändert wurden (z. B. durch den Anhang "-er"), werden getrennt geschrieben (z. B. Rosenheimer Straße, Berliner Straße, Ahamer Weg).

Wenn in Straßennamen mehrere Namensteile vorkommen, so werden die einzelnen Wörter durch einen Bindestrich getrennt (z. B. Ludwig-der-Bayer-Straße, Max-Eyth-Straße, Paul-Ehrlich-Straße).



A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z



Altdorferstraße
Albrecht Altdorfer (1480 – 1538)


Albrecht Altdorfer wurde um 1480 in Regensburg geboren. Er war einer der Hauptmeister der Donauschule (Stilrichtung der Malerei im oberen Donaugebiet Anfang des 16. Jahrhunderts). Von ihm stammt das erste figurenloser Landschaftsgemälde der europäischen Malerei. Die 300 Jahre später einsetzende Romantik hatte in ihm einen ersten Vorläufer: Natur- und Nachtszenen, märchenhafte Bauten und Ruinen, Himmel und Blumen. Altdorfers blühende, detailfreudige Phantasie, seine kräftigen Farben und spielenden Lichter sowie sein Geschick für kompositionelle, räumliche und malerische Effekte werden in Bildern voll dramatischen Geschehens eingesetzt: auf den Tafeln des „Passionsaltares“ (ab 1510) beispielsweise oder in der „Alexanderschlacht“ (1529). Seine vielseitigen malerischen Fähigkeiten beweist er aber auch in besinnlichen, friedvollen Darstellungen, so in der „Ruhr auf der Flucht“ (1510) oder in der „Anbetung der Könige“ (um 1528).
Als „Maler von Amberg“ erhielt Altdorfer 1505 das Bürgerrecht von Regensburg; er wurde Ratsmitglied und Stadtbaumeister. In diplomatischem Auftrag reiste er 1535 nach Wien und folgte damit – auch künstlerisch – den Spuren anderer großer Meister der „Donauschule“. Neben seinen vorwiegend biblischen Darstellungen behandelte er auch mythologische Themen wie „Landschaft mit Satyrfamilie“ (1507). Auf dem mit feinster Pinselführung gemalten Bild „Susanna im Bade“ (1526) klingt bei Altdorfer – einem Maler der Spätgotik – mit dem phantastischen Palast bereits die Renaissance an; die Wandbilder im Kaiserbad von Regensburg („Liebespaare“, um 1530) sowie „Lot und seine Töchter“ (1537) zeigen wiederum manieristische Züge.

Neben Kupferstichen und Radierungen sind von Altdorfer etwa 120 Zeichnungen erhalten: teils Entwürfe für Holzschnitte und Gemälde, teils eigene Kunstwerke, wie die Randzeichnungen für das Gebetbuch Kaiser Maximilians I. Trotz der einfallsreichen architektonischen Darstellungen auf seinen Bildern beschränkte sich Altdorfers Tätigkeit als Baumeister (als solcher wird er auf seinem Grabstein bezeichnet) auf gelegentliche Nutzbauten.

Albrecht Altdorfer starb am 12.02.1938 in Regensburg.



Asamstraße
Cosmas Damian Asam (1686 – 1739) und Egid-Quirin Asam (1692 – 1750)

Cosmas Damian Asam wurde am 28.09.1686 in Benediktbeuern geboren. Sein Bruder Egid-Quirin Asam war das achte Kind der Familie Georg und Theresia Asam, er wurde am 01. September 1692 getauft.

Gemeinsam erhielten sie bei ihrem Vater, der den szenarischen Aufbau der großen italienischen Fresken studiert und zum Vorbild für seine Freskenmalerei hatte, eine sorgfältige Ausbildung. Anschließend lernten sie, ebenfalls in Italien, bei verschiedenen berühmten Freskanten, vor allem bei dem Meister der spätbarocken Deckenmalerei, Andrea Pozzo. Ab 1714 wieder in Bayern, schufen sie - Cosmas als Maler und Architekt, Egid als Plastiker und Stuckator – Gesamtkunstwerke, bei denen von der Architektur bis zum letzten Detail der Raumausstattung alles vollendet aufeinander abgestimmt war.

Wichtigster Aufgabenbereich der Brüder Asam war die Ausstattung von Kirchen, wobei sie sowohl romanische und gotische Räume barockisierten, wie die Heilig-Geist-Kirche in München (1727), als auch neue Bauten anderer zeitgenössischer Künstler schmückten, z.B. Maria Einsiedeln (1724 – 1726). Höhepunkte ihres gemeinsamen Schaffens bildeten solche Aufträge, bei denen die Brüder die Gesamtaufgabe vom Bau bis zur fertigen Einrichtung durchführen konnten, wie bei der Klosterkirche St. Georg in Weltenburg (1716 – 1721), dem Festsaal des Benediktinerstiftes Brevnov (1727) oder der Johann-Nepomuk-Kirche“ („Asamkirche“, 1733- 1746) in München.

Cosmas Damian Asam gewann einen internationalen Ruf als Maler. Nicht nur in Bayern und Österreich führte er Aufträge aus, auch in der Schweiz, in Böhmen und Schlesien. Zu seinen Meisterwerken zählt das 600 m² große Deckengemälde „Maria als Weltkönigin“ (1736) im Oratorium S. Maria de Victoria in Ingolstadt.

Im Leben von C.D. Asam und E.Q. Asam spielten auch die Schwestern eine wichtige Rolle. In der Familie Asam, wo Tag für Tag nur über Malerei gesprochen wurde, konnte es natürlich nicht ausbleiben, dass auch bei den Schwestern der Wunsch erwachte, einmal den Pinsel in die Hand zu nehmen. Maria Salome Asam hatte mit den Jahren von Ihrem Bruder die Fassmalerei so perfekt erlernt, dass sie in diesem, nicht ganz leichtem Beruf, auch als Frau ganz ihren Meister stand, den sie nicht nur in Bayern, sondern auch in Böhmen ausübte.




Aventinstraße
Johannes Aventinus (1477 - 1534)

Johannes Turmair nennt sich selbst in humanistischer Manier latinisiert Aventinus nach dem mittelalterlichen Namen seiner Vaterstadt Abensberg. Bedeutung erlangte Aventin, Humanist mit universeller Bildung, auf wissenschaftlichem Gebiet vor allem als Historiker, denn er steht am Anfang der neuzeitlichen bayrischen Geschichtsschreibung und -forschung.

Geboren ist Johannes Turmair als Sohn des wohlhabenden Weinwirts Peter Turmair am 4. Juli 1477 in Abensberg. An den Universitäten Ingolstadt, Wien, Krakau und Paris erwirbt er sich eine umfassende und vielschichtige Bildung, die nicht viele Gelehrte seiner Zeit erreicht haben. Im Jahr 1509 wird er an den Hof nach München berufen, um als Erzieher und Lehrmeister der noch unmündigen Prinzen des verstorbenen Herzog Albrecht IV., Ernst und Ludwig, zu dienen.
In einer landesherrlichen Berufung der Herzöge Wilhelm und Ludwig vom Februar 1517 erhält Aventin die ehrenvolle Aufgabe als Landeshistoriograph eine Geschichte Bayerns zu verfassen. Die "Annales ducum Baioariae" sind 1521 abgeschlossen. Der Höhepunkt seines Schaffens ist jedoch die Verdeutschung der Annales, die er 1522 von sich aus in Angriff nahm. Die Geschichte des bayrischen Volkes sollte nicht nur den Gelehrten verständlich sein, sondern der Allgemeinheit, dem Volk selbst, zugänglich werden. Die "Bayrische Chronik" ist deshalb nicht eigentlich eine Übersetzung der Annales, sondern im Hinblick auf die Vorlage eher eine freie Bearbeitung mit Hinzufügungen und Auslassungen.

1529 heiratet Aventin mit 52 Jahren und kauft sich ein Haus in Regensburg. Dort schreibt er die Geschichte "Von dem herkomen der statt Regenspurg", vollendet 1533 seine "Bayrische Chronik" und arbeitet daneben an weiteren historischen Werken. Im Dezember 1533 erkrankte er auf der Rückreise von Ingolstadt und stirbt infolge dieser Erkrankung am 9. Januar 1534 in Regensburg. Bestattet wird Aventin auf dem Friedhof von St. Emmeram. Noch heute ist das Grabmal im Vorhof zur Kirche St. Emmeram zu sehen.




Baldungstraße
Hans Baldung, genannt Grien, (1485 – 1545)

Hans Baldung wurde 1485 in Schwäbisch Gmünd geboren. Nach Stationen seiner Ausbildung in Straßburg, Nürnberg (ab 1503 als begabtester und lebenslang befreundeter Schüler Dürers) und Halle, wo 1507 der „Sebastiansaltar“ entstand, wurde er 1509 in Straßburg sesshaft und 1510 als Meister anerkannt. Schon 1505 machte er sich durch seine Mitarbeit bei der Illustration von Ulrich Pinders „Der beschlossen Gart des Rosenkranz Mariae“ einen Namen und erhielt wegen seiner Jugend den anerkennenden Titel „Grien“ = der Grüne.

1512 übernahm Baldung den Auftrag, den Hochaltar des Freiburger Münsters mit elf biblischen Gemälden auszuschmücken. Fünf Jahre vergingen, bis sein Meisterwerk fertiggestellt war. Nach Vollendung dieses Werkes, das Baldung bei aller Eigenständigkeit in die Reihe von Dürer, Grünewald, Altdorfer und Holbein d. Jüngere stellte, kehre er 1517 nach Straßburg zurück und wurde ein angesehener, wohlhabender Bürger und zeitweise Ratsherr.

Baldungs sakrales Schaffen trat durch die Auswirkungen des Bildersturms hinter weltlichen, mythologischen und allegorischen Themen zurück; anstelle der Kirchen traten private Kunstfreunde als Auftraggeber auf. Zunächst entwarf Baldung Glasfenster und schuf eine Vielzahl von Holzschnitten, zu deren späteren „Der behexte Stallknecht“ (1544) gehört. Er wurde zum meisterlichen Darsteller des menschlichen Körpers und, für damalige Zeit, in der Wahl der Motive immer kühner, wie bei der Darstellung des Triumphes von Laster und Schamlosigkeit über Geist und Genie.

Bei aller ausschweifenden und kraftvollen Vitalität seiner Bilder wurde Baldungs Stil im Lauf der Jahre klassisch-strenger, auch wenn die Darstellung der Schönheit des nackten Menschen, besonders des weiblichen Körpers, fast zum Kult wurde. Baldung malte zahlreiche hervorragende Porträts, wie 1538 das Gelehrtenbildnis „Kanonikus A. V. Keller“. Von seinem großen Werk sind, neben zahlreichen Holzschnitten, mehr als 100 Gemälde und über 250 Zeichnungen erhalten geblieben.

Hans Baldung verstarb im September 1545 in Straßburg.



Böcklerstraße 
Hans Böckler (1875 - 1951)

Hans Böckler wurde am 26. Februar 1875 in Trautskirchen (Bayern) geboren. Böckler wuchs in einfachen Verhältnissen auf. 1888 starb der Vater. Als Dreizehnjähriger brach er deshalb die Schule ab, sorgte von da an für den Lebensunterhalt der sechsköpfigen Familie und begann eine Lehre als Gold- und Silberschläger. 

 

1894 trat er in die SPD sowie die Gewerkschaft Deutscher Metallarbeiter Verband (DMV) ein. Nachdem er in Fürth bereits zum Vorsitzenden des Gewerkschaftskartells und zum Gemeindebevollmächtigten (Stadtrat) gewählt war, wurde er 1903 Gewerkschaftssekretär des DMV im Saarland, wechselte 1907 in die Bezirksleitung nach Frankfurt und wurde 1910 Leiter des Verbandes Schlesien in Breslau. Als Autodidakt eignete er sich ein vielseitiges Wissen an und erwarb in Abendkursen der Gewerkschaft Kenntnisse in den Fächern Mathematik und Buchführung. Von 1914 bis 1915 nahm er am Ersten Weltkrieg teil. Er wurde während eines Einsatzes als Unteroffizier an der Ostfront schwer verwundet. Daraufhin wurde er von der Wehrpflicht befreit und widmete sich bis zum Ende des Kriegs der Gewerkschaftsarbeit in Danzig, Kattowitz und Siegen. 1918 wurde er Sekretär bei der Zentralarbeitsgemeinschaft. Hans Böckler wechselte als erster Bevollmächtigter zur Ortsverwaltung nach Köln, wo er von 1924 bis 1926 Stadtverordneter der SPD wurde. 1928 wurde er zum Mitglied des Reichstages gewählt, dem er bis 1933 angehörte. Nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 musste Böckler untertauchen, da er Kontakte zum Widerstandskreis um Wilhelm Leuschner hatte. Im Rückblick schrieb Böckler: „In der Nazizeit habe ich einfach meine Pflicht getan, war wiederholt in Schutzhaft und wurde, wie so viele andere, wirtschaftlich vernichtet. Meine jetzige Tätigkeit ist nach Wiederaufnahme Fortsetzung der früheren.“

 

1945 begann er mit dem Wiederaufbau der Gewerkschaften in der Britischen Zone. Er wurde zur zentralen Person beim Wiederaufbau der Gewerkschaftsbewegung in Köln und der Nord-Rheinprovinz. Hans Böckler strebte statt vieler Richtungsgewerkschaften eine Einheitsgewerkschaft an. Diese wurde aber von den Siegermächten als zu zentralistische Organisation abgelehnt und nicht akzeptiert. 1949 wurde er erster Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB). Nicht zu vergessen ist der Einsatz Hans Böcklers für den Wiederaufbau Deutschlands. So nahm er nach dem Zweiten Weltkrieg Kontakt zu den Besatzungsmächten auf, um eine Demontage der Industrieanlagen und eine Ausweitung der Produktionsbeschränkungen zu verhindern. 1948 erhielt er die Ehrendoktor-Würde der Universität zu Köln. Am 25. Januar 1951 erzielte Böckler die Einigung über die Montanmitbestimmung (für die Eisen- und Stahlindustrie und den Bergbau) mit Bundeskanzler Konrad Adenauer. 1951 wurde er gemeinsam mit Konrad Adenauer zum Ehrenbürger der Stadt Köln ernannt. Am 16. Februar 1951 starb Hans Böckler in Köln.




Dieselstraße
Rudolf Christian Karl Diesel (1858 – 1913)

Rudolf Diesel wurde am 18.03.1858 in Paris geboren. Nach dem Maschinenbaustudium wurde er Mitarbeiter des Kältetechnikers Carl von Linde und befasste sich u.a. mit der Konstruktion von Wärmekraftmaschinen. Nach fehlgeschlagenen Versuchen mit stark komprimiertem Ammoniakdampf gelang ihm 1892 die Verbesserung des Verbrennungsmotors derart, dass der Kraftstoff sich von selbst an der durch vorherige Verdichtung hocherhitzten Luft entzündete. Auf diese Weise konnten billige Öle mit geringem Verbrauch als Betriebsstoffe verwendet werden, worauf die Wirtschaftlichkeit des Dieselmotors beruht - der Wärmekraftmaschine mit dem zur Zeit besten thermischen Wirkungsgrad.


Durch Patentprozesse in seiner Arbeit stark behindert, konnte Diesel erst seit 1908 die Weiterentwicklung seines Motors zu Kleinmodellen und für Lastkraftwagen und Lokomotiven vorantreiben. Zermürbt von den ständigen Streitigkeiten um die Nutzungsrechte seiner Erfindungen, schied Rudolf Diesel auf einer Überfahrt nach England am 29.09.1913 im Ärmelkanal wahrscheinlich freiwillig aus dem Leben.




Dürerstraße
Albrecht Dürer (1471 – 1528)

Albrecht Dürer wurde am 21.05.1471 in Nürnberg geboren. Bei seinem aus Ungarn stammenden Vater erlernte er das Goldschmiede-Handwerk und ging anschließend beim Nürnberger Maler Michael Wohlgemut in die Lehre. Auf fünfjähriger Wanderschaft vervollkommnete er seine Kunst. 1494 kehrte Dürer nach Nürnberg zurück, heiratete Agnes Frey und unternahm seine erste Italienreise. Nach Einrichtung einer eigenen Werkstatt erschien 1498 sein erster Graphikzyklus: Die von ihm selbst verlegten 15 Holzschnitte zur Apokalypse. Die Schwerpunkte in Dürers weiterem Schaffen lagen im religiösen Themenbereich und in der Bildnismalerei: Heilsereignisse, Passion Christi, das Leben Marias und der Heiligen, Altarbilder (z.B. „Sieben Schmerzen Marias“, jetzt in der Dresdner Gemäldegalerie). Ab 1512 führte Dürer größere Aufträge für Kaiser Maximilian I aus, vor allem die Illustrationen des kaiserlichen Gebetbuches.

Dürer war gegenüber Humanismus und der Reformation gleichermaßen aufgeschlossen. In seiner Kunst durchdrangen sich Spätgotik und Renaissance in den berühmten großen Kupferstichen „Ritter, Tod und Teufel“, „Hieronymus im Gehäus“ und „Melancholie“. Der vielseitig interessierte und gebildete Künstler entwickelte die Druckgraphik zu einer bis dahin unerreichten Höhe. Für die Kunstliteratur wurden Dürers Studien der Proportionslehre und seine Suche nach Gesetzen zur Gestaltung des schöneren Menschen wegweisend.

Albrecht Dürer verstarb am 06. April 1528 in Nürnberg.





Ebner-Eschenbach-Straße
Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach (1830 - 1916)

Die österreichische Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach wurde am 13. September 1830 in Kremsier/Mähren geboren.

Die im Geist der deutschen Klassik geborene Gräfin Dubsky heiratete 1848 den Physiker und späteren Feldmarschallleutnant Moritz Freiherr von Ebner-Eschenbach. Franz Grillparzer, mit dem die neben anderen Literaten in Verbindung stand, förderte ihre frühe Dichtung, die bald über epigonenhafte Dramen hinauswuchs und realistische Romane und Erzählungen über Adel und Bürgertum Wiens und über das bäuerliche Leben in Mähren hervorbrachte.

Psychologisch einfühlsam, mit menschlichen und sozialem Verständnis und erzieherischem Anliegen schrieb Ebner-Eschenbach ihre „Dorf- und Schlossgeschichten“ (1883) darunter „Krambambuli“ – die Romane „Bozena“ (1876) und „Das Gemeindekind“ (1887) sowie zahlreiche lebenskluge „Aphorismen“ (1880) und Gedichte. Die gesammelten Werke erschienen 1928 in 12 Bänden.

Am 12. März 1916 verstarb die Dichterin in Wien.




 
Eichendorffstraße
Joseph Freiherr von Eichendorff (1788 – 1857)

Joseph Freiherr von Eichendorff wurde am 10. März 1788 auf Schloss Lubowitz in Ratibor, Oberschlesien, geboren. Als Sohn eines preußischen Offiziers und Landadligen erhielt Eichendorff eine aristokratisch-katholische Erziehung.

Nach dem Schulabschluss in Breslau studierte er Jura und Philosophie in Halle, Heidelberg, Berlin und Wien, wo er zahlreiche berühmte Vertreter der Romantik wie Brentano und Görres kennen lernte und zum Kreis um Friedrich Schlegel gehörte. Er nahm an den Freiheitskriegen teil und trat 1816 in den Staatsdienst. Durch den Verlust der Familiengüter in eine Beamtenlaufbahn gezwungen fand Eichendorff schon früh seine Ruhe, sein Glück in Ehe und Glauben, während er im Beruf des preußischen Beamten als praktizierender Katholik und Anhänger Steinscher Reformideen Zurücksetzung erfahren musste. Jahrelang bemühte er sich daher im süddeutschen und österreichischen Raum um ein Amt.

Unter dem Eindruck von Arnims und Brentanos Volksliedersammlung („Des Knaben Wunderhorn“) und in der Abgrenzung gegen Loeben entstand Eichendorffs frühe Lyrik „1806 bis 1807“, die er in Romane und Erzählungen einfügte und die als später Höhepunkt romantisch-volksliedernaher Poesie bewertet wurde. In Wien (1810 bis 1813) beendete Eichendorff seinen Roman „Ahnung und Gegenwart“, Dokument seiner Goetheverehrung und verschlüsseltes Zeugnis seiner Jugend- und Studienjahre.

Während der nächsten zwei Jahrzehnte erschienen Eichendorffs Erzählungen („Das Marmorbild“ 1819, „Aus dem Leben eines Taugenichts“ 1926 und „Das Schloss Dürande“, 1837). Der von „Fouqué“ 1815 anonym herausgegebene Roman enthält viele bekannte Lieder Eichendorffs (z.B. „O Täler weit, o Höhen“, „In einem kühlen Grunde“). Eichendorffs Bühnenstücke gerieten bis auf das Lustspiel „Die Freier“ (1833) in Vergessenheit.

1844 wurde er nach 29 Dienstjahren ohne die übliche Ordensverleihung pensioniert. Nach seiner Pensionierung 1844 widmete Eichendorff sich noch intensiver seiner literarischen Arbeit, der er auch während des Militär- und Staatsdienstes nachgegangen war. Er war einer der bedeutendsten Repräsentanten der deutschen Hochromantik; seine hingebungsvolle Naturfrömmigkeit – er begriff Natur als Symbol des Göttlichen – fand in zahlreichen volksliedhaften Dichtungen ihren Ausdruck. Seine u. a. von Schumann und Hugo Wolf vertonte Lyrik besang in immer wiederkehrenden Motiven Naturschönheit, Sehnsucht, Wanderschaft und Heimweh, wodurch er die populäre Vorstellung vom „Romantischen“ prägte.

In seinen letzten Jahren betätigte er sich als Übersetzer und katholischer Literarhistoriker. Am 26.11.1857 verstarb Eichendorff in Neiße.




Emil-von-Behring-Straße
Emil Adolph von Behring (1854 – 1917)

Emil von Behring wurde am 15.03.1854 in Hansdorf/Westpreußen geboren. Ab 1889 war er Assistent von Robert Koch in Berlin und später Professor in Halle und Marburg. 1890 erkannte er, dass die Blutflüssigkeit (Serum) von Menschen und Tieren, die eine Infektionskrankheit überstanden hatten, Wirkstoffe (Antikörper) enthält, die vor erneuter Infektion mit derselben Krankheit schützen. Dieser Schutz konnte in Behrings Experimenten durch Injektion des betreffenden Serums auf ein anderes Individuum übertragen werden und damit wurde dieses ebenfalls gegen diese Krankheit immun.

Somit waren die Grundlagen für die Immunitätslehre und für die Serumheilkunde gefunden, auf denen er bei der Bekämpfung von Diphterie und Tetanus aufbaute. Gemeinsam mit Paul Ehrlich entwickelte er in den Farbwerken Meister Lucius & Brüning, später Farbwerke Höchst AG, die Verfahren zur industriellen Herstellung der Impfstoffe, mit denen das Leben ungezählter Menschen gerettet werden konnte. Für diese Leistung erhielt er 1901 als erster Arzt den Nobelpreis für Medizin.

Zur Erforschung und Herstellung von Impfstoffen in großen Menge gründete Behring 1904 in Marburg die Behring-Werke. Emil von Behring verstarb am 31. März 1917 in Marburg/Lahn.





Ferdinand-Sauerbruch-Straße 
Ferdinand Sauerbruch (1875 - 1951)

Sauerbruch war der führende deutsche Chirurg in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Er war ein genialer, geschickter und schneller Operateur, ein erfinderischer Pionier und ein Meister der Improvisation, ein impulsiv und schwer berechenbarer Vorgesetzter, ein geliebter und gefürchteter Lehrer. Sauerbruch über seinen Beruf: "Arzttum ist das Letzte und Schönste und Größte an Beziehungen von Mensch zu Mensch..."

 

Sauerbruch studierte in Marburg, Jena und Leipzig Medizin, wo er 1902 promoviert wurde; anschließend ging er nach Kassel, Erfurt, Berlin und war von 1903 bis 1905 in Breslau. Während seiner Assistenzzeit in Breslau wandte er sich unter seinem Lehrer und Förderer Johannes von Mikulicz-Radecki (1850-1905) der Brustraumchirurgie zu - dem Teilgebiet der Chirurgie, auf dem er mit seiner Entwicklung des Druckdifferenzverfahrens Bahnbrechendes leistete. Am 6. April 1904 führte Sauerbruch seine Unterdruckkammer ("Sauerbruch-Kammer") mit einer Operation am offenen Thorax mit Erfolg öffentlich vor. 1905 bis 1907 war er dann in Greifswald, 1907 bis 1910 in Marburg und 1910 bis 1918 in Zürich. In Marburg wurde er 1908 Außerordentlicher Professor und in Zürich erhielt er 1911 einen Lehrstuhl für Chirurgie.

 

In den Jahren des 1. Weltkrieges schuf Sauerbruch mit seinen neuartigen Arm- und Beinprothesen mit willentlich beweglichen Gliedmaßen ("Sauerbruch-Hand", "Sauerbruch-Arm", "Sauerbruch-Bein") erste verwendbare Überlebenshilfen für die vom Krieg zum Krüppel geschossenen Soldaten. 1918 erhielt er in München das Ordinariat für Chirurgie und war hier an der Universität bis 1927 tätig. Er widmete sich vor allem der operativen Behandlung der Lungentuberkulose und entwickelte Diätmaßnahmen für Tuberkulosekranke.

 

In den Jahren 1928 bis 1949 war Sauerbruch Ordinarius für Chirurgie an der Berliner Universität und Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik an der Berliner Charité.

 

Die letzten Lebensjahre Sauerbruchs waren überschattet von einer schnell um sich greifenden Zerebralsklerose, die seinem Können Grenzen setzten. Ferdinand Sauerbruch starb am 02. Juli 1951 in Berlin.





Flemingstraße
Sir Alexander Fleming (1881 - 1955)

Sir Alexander Fleming wurde am 06.08.1881 in Lochfield Darvel geboren. Der schottische Mediziner stellte im Jahr 1928 durch einen Zufall fest, dass das vom Schimmelpilz Penizillin notatum ausgeschiedene Sekret, selbst bei 800facher Verdünnung, die Ausbreitung tödlicher Keime verhindert, ohne auf den tierischen und menschlichen Organismus schädigend zu wirken.

Aus diesen Extrakten gewannen die Forscher Ernst B. Chain und B. Florey in zehnjähriger Arbeit ein neues und außerordentlich wirksames antibakterielles Medikament, das Antibiotikum Penizillin, mit dem zahlreiche bisher unheilbare Krankheiten bekämpft werden konnten. Zusammen mit Fleming erhielten sie dafür 1945 den Nobelpreis für Medizin.


Ab 1940 gelang es in amerikanischen Labors mit Hilfe der Gefriertrocknung, Penizillin in größeren Mengen herzustellen. Inzwischen war Penizillin und seins wunderbare Wirkung bekannt geworden und die Nachfrage stieg fortgesetzt weiter. 1943 wurden 21 Milliarden Oxford-Einheiten produziert, 1944 waren es 1633 Milliarden und 1945 schließlich 7000 Milliarden.

Gerade die Verwendung der Penizillin-Chrysogenum sollte auch der Grund sein, dass diese Antibiotika krankheitserregenden Mikroorganismen bekämpften, die die Ursachen von Infektionen sind. Penizillin kann fast 90 verschiedene Arten von Bakterien vernichten und 16 weitere in geringem Umfang angreifen. Es bekämpft eine Reihe von Krankheiten, die vorher in der Regel tödlich verliefen. 1946 erschien Flemings Hauptwerk „Penizillin und seine praktische Anwendung“. Sir Alexander Fleming verstarb am 11.03.1955 in London-Chelsea.





Fontanestraße
Heinrich Theodor Fontane (1819 - 1898)

Theodor Fontane wird am 30. Dezember 1819 in Neuruppin, einer kleinen märkischen Stadt nordwestlich von Berlin, geboren. Fontanes Vater Louis Henri besitzt die Neuruppiner »Löwen-Apotheke« in Fontanes Geburtshaus. Nach dem Ende der Schulzeit wählt Fontane den Beruf des Vaters und wird Apotheker.

Mit der Erzählung "Geschwisterliebe" tritt der Zwanzigjährige 1839 zum ersten Mal als Schriftsteller öffentlich in Erscheinung.

Im September 1840 verlässt Fontane Berlin und setzt seine Apothekerausbildung fort. Am Ende der Lehrzeit kehrt er als Gehilfe in die Apotheke seines Vaters zurück. Im Jahr 1845 arbeitet Fontane noch einige Monate bei seinem Vater in Letschin, bevor er einen Posten in einer großen Apotheke in Berlin annimmt.

Am 8. Dezember 1845 verlobt sich Fontane mit Emilie Rouanet-Kummer, einer Jugendfreundin. Doch bis zur Ehe soll es noch fünf Jahre dauern, denn der angehende Dichter und Apotheker leidet an chronischer Finanznot.

Neben der Tätigkeit in der Apotheke opfert er seine Freizeit jetzt fast vollständig seinen literarischen Ambitionen. 1847 besteht Fontane das Staatsexamen in Pharmazie. Fontanes berufliche und finanzielle Situation ist alles andere als rosig, als er einen ebenso mutigen wie einschneidenden Entschluss fasst: Er gibt die pharmazeutische Karriere auf. In einem kleinen möblierten Zimmer konzentriert er sich ausschließlich auf seine literarische Arbeit und produziert vor allem die bewährten Balladen. Im Dezember 1849 erscheinen seine ersten beiden Bücher, im folgenden Jahr veröffentlicht er einen Band Gedichte. Das Jahr 1850 bringt eine weitere Wende: Fontane tritt eine Stelle im »Literarischen Kabinett«, einer Art Propagandaabteilung des preußischen Innenministers, an.

Am 16. Oktober 1850 heiratet Fontane Emilie Rouanet-Kummer, und am 14. August 1851 wird sein erster (legitimer) Sohn George Emile geboren. Am 3. Oktober 1872 bezieht die Familie Fontane eine neue Wohnung in Berlin – die letzte nach einer langen Reihe von Umzügen.

Erst ab dem 57. Lebensjahr widmet sich Fontane mit voller Energie seiner eigentlichen Berufung; davor ist er für verschiedene Zeitungen und Verlage als Journalst tätig. Bis zu seinem 70. Geburtstag am 30. Dezember 1889 hat sich Fontane einigen Ruhm als Schriftsteller erworben.

Der große Durchbruch kommt im Jahr 1895 mit dem Roman "Effi Briest". Beinahe fünf Jahre hat Fontane an diesem Werk gearbeitet. Es wird in kürzester Zeit Fontanes meistgelesenes Buch; in weniger als einem Jahr kommt es auf fünf Auflagen, und Fontane kann in sein Tagebuch notieren: "Der erste wirkliche Erfolg, den ich mit einem Roman habe."

Am 20. September 1898 scheidet Theodor Fontane friedlich aus dem Leben.




Ganghoferstraße
Ludwig Ganghofer (1855 - 1920)

Der am 07.07.1855 in Kaufbeuren geborene Förstersohn studierte Philologie und Philosophie und war ab 1881 Dramaturg am Wiener Ringtheater. Als Journalist und Feuilletonredakteur am „Neuen Wiener Tageblatt“ schrieb er zahlreiche Volksstücke. 1895 übersiedelte er als freier Schriftsteller nach München.

Von Ganghofer stammt eine große Zahl sehr erfolgreicher, meist sentimental-idyllischer Unterhaltungsromane und Erzählungen aus der bayerischen Bergwelt, die fast alle verfilmt wurden. Einige der bekanntesten Titel sind „Der Herrgottschnitzer von Ammergau“ (1880), „Schloss Hubertus“ (1895) und „Das Schweigen im Walde“ (1899). Ferner schrieb er Gedichte, Kriegslieder und Erinnerungen.

Ludwig Ganghofer verstarb am 24.07.1920 in Tegernsee.





Gaußstraße
Carl Friedrich Gauß (1777 – 1855)

Carl Friedrich Gauß wurde am 30.04.1777 in Braunschweig geboren. Wegen seiner ungewöhnlichen Begabung erhielt er vom Herzog von Braunschweig ein Stipendium zum Besuch der höheren Schule und der Universität Göttingen (1795 – 1798). Schon 1801 gab er seine „Untersuchungen über höhere Mathematik“ heraus, die Grundlage der modernen Zahlentheorie. Später folgten Arbeiten u.a. zur Theorie der unendlichen Reihen, über die hypergeometrische Differentialgleichung, über die numerische Mathematik und den algebraischen Fundamentalsatz. Als Professor für Astronomie und Direktor der Sternwarte in Göttingen errechnete Gauß den Standort des Planetoiden Ceres, der dadurch von Wilhelm Olbers tatsächlich wiederaufgefunden wurde. Die dabei angewandten neuen Methoden der Bahnbestimmung veröffentlichte er in seinem astronomischen Hauptwerk „Theorie der Bewegung der Himmelskörper (1809).

Bei Grad- und Landvermessungen in Hannover ab 1816 verbesserte Gauß die geodätischen Verfahren und erfand dafür das Heliotrop, den Sonnenwendespiegel, und neue Kartenprojektionen, vor allem die Gauß-Krüger-Abbildung. Für erdmagnetische Forschungen entwickelte er das Bifilarmagnetometer und das absolute physikalische Maßsystem. Weitere Arbeiten, gemeinsam mit dem befreundeten Physiker Wilhelm Weber, führten 1833 zu einem damals noch verkannten elektromagnetischen Telegraphen, zu neuen Erkenntnissen in der Mechanik sowie in der geometrischen Optik und über die Potentialtheorie (1839). Carl Friedrich Gauß verstarb am 23.02.1955 in Göttingen.





Gerhart-Hauptmann-Straße
Gerhart Hauptmann (1862 - 1946)

Gerhart Hauptmann wurde am 15. November 1862 als viertes Kind des Hotelbesitzers Robert Hauptmann in Ober-Salzbrunn (seit 1935 Bad Salzbrunn), Niederschlesien (heutiges Polen) geboren. Der Dichter und naturalistische Dramatiker Hauptmann schuf ein vielgestaltiges Werk. Grundthemen sind die soziale Not der ausgebeuteten Klassen, die Auflösung der Kleinbürgerwelt, die Anmaßung der Bürokratie und der innere Zwiespalt des Künstlertums.

1878 beginnt Hauptmann eine einjährige landwirtschaftliche Ausbildung auf dem Rittergut seines Onkels in Schlesien. Dort verfasst er auch seine erste Ge-

dichte. Wegen einer Lungenkrankheit kann Hauptmann seinen Beruf als Landwirt nicht mehr ausüben. Er tritt deshalb im Oktober 1880 in die Bildhauerklasse der Königlichen Kunst- und Gewerbeschule zu Breslau ein, die er 1882 mit dem Zeugnis der mittleren Reife ab­schließt. Von 1882 bis 1883 studiert er in Jena Geschichte. Danach begibt sich Gerhart Hauptmann mit seinem Bruder Carl auf eine Reise nach Spanien und Italien; auf Capri entsteht seine zeitlebens vorhandene Inselsehnsucht. Im Herbst 1883 kehrt er nach Italien zurück und lässt sich als Bildhauer in Rom nieder. Die Karriere scheitert allerdings.

 

1885 heiratet Hauptmann Marie Thienemann, mit der er drei Söhne hat. Somit werden seine finanziellen Sorgen beseitigt und er kann von nun an als freier Schriftsteller arbeiten. Im Frühling - Herbst 1888 hält er sich in Zürich bei der Familie seines Bruders Carl auf. Nach der Rückkehr nach Berlin gründet Hauptmann 1889 den Verein „Freie Bühne“, der zahlreiche Werke Hauptmanns in nichtöffentlichen und daher zensurfreien Vorstellungen uraufführt. So wird im Oktober 1889 sein sozialkritisches Drama "Vor Sonnenaufgang" uraufgeführt, das Hauptmann zu einem der führenden Dramatiker der Moderne macht. Das Stück gilt als grundlegendes Werk des Naturalismus, gezeigt wird der moralische Verfall mehrerer Bauern­familien, die plötzlich zu Wohlstand gelangt sind, als auf ihrem Land Kohlevorkommen entdeckt werden. Hauptmann wird schlagartig berühmt, weil „Vor Sonnenaufgang“ zu einem Skandal führt und verboten wird. 1889 übersiedelt Hauptmann mit seiner Familie nach Charlottenburg. Nach einer Reise ins schlesische Webergebiet stellt er 1892 sein bedeutendstes Werk, das gesellschaftskritische Drama "Die Weber", zunächst im schlesischen Dialekt als "De Waber" fertig. Kaiser Wilhelm II. kündigt nach der Uraufführung im Deutschen Theater seine dortige Loge, außerdem wird die Aufführung durch den Berliner Polizeipräsidenten verboten. In den neunziger Jahren wohnt Hauptmann mit seinem Bruder Carl in Mittelschreiberhau (Nie­derschlesien). 1893 wird seine Komödie "Der Biberpelz" und die dramatische Traumdichtung "Hanneles Himmelfahrt" uraufgeführt. In dem letzten Werk wendet sich Hauptmann vom Natu­ralismus ab, und vermischt naturalistische und romantische Elemente.

 

Nach einer Reise mit seiner Ehefrau in die USA trennt sich das Ehepaar 1894. Haupt­mann zieht nach Berlin und die Frau mit den Söhnen nach Dresden. 1896 wird ihm der Grill­parzer-Preis in Wien verliehen, den er noch zwei weitere Male erhält. 1901 zieht er mit seiner Geliebten nach Agnetendorf in Schlesien und heiratet sie 1904. Das Paar hat einen Sohn. Im April 1903, nachdem Hauptmann in einem Prozess gegen eine Landarbeiterin, die wegen Kin­desmords angeklagt ist, als Geschworener teilgenommen hat, schreibt er das Schauspiel "Rose Bernd", das noch im selben Jahr uraufgeführt wird.

 

Trotz mancher Fehl­schläge wie „Florian Geyer“ (1896), „Schluck und Jau“ (1900) und weiteren, war Gerhart Haupt­mann berühmt geworden: 1912 wird Gerhart Hauptmann der Nobelpreis für Literatur verliehen. Von 1914 bis 1918 lebt der Dichter wechselweise in Berlin – Hallensee, Agne­tendorf und auf Hiddensee. Nach dem Ersten Weltkrieg glaubt er, nun entsetzt vom Krieg (Epos Till Eulenspiegel), in der Weimarer Republik eine Zukunft für das deutsche Volk zu fin­den. Im November 1918 wird im „Berliner Tageblatt“ eine von zahlreichen Intellektuellen und Künstlern unterschriebene Erklärung Hauptmanns veröffentlicht, in der die Bereitschaft der Kunstschaffenden bekundet wird, am Neuaufbau mitzuwirken. Hauptmann beginnt, sich aktiv für die junge Republik einzusetzen. 1923 wird er zusam­men mit Albert Einstein in die Friedensklasse des „Pour le mèrite“ aufgenommen. 1924 wird Hauptmann Ehrenmitglied der Akademie der Bildenden Künste in Wien und erhält den Orden der Friedensklasse. 1926 wird sein Schauspiel „Dorothea Angermann“ uraufgeführt. 1932 macht Hauptmann seine zweite Reise nach Amerika, wo er als Repräsentant der deutschen Dichtung gefeiert wird. Nach der Rückkehr nach Deutschland wird ihm der Goethepreis überreicht.

 

Zur Enttäuschung vieler äußert sich Hauptmann nicht zum Nationalsozialismus und zieht sich aus dem öffentlichen Leben zurück. Seine Werke werden aber weiter veröffentlicht, aufgeführt und verfilmt. 1937 erscheint seine Autobiographie „Das Abenteuer meiner Jugend“. In kurzer Zeit entsteht das große Alterswerk „Die Atriden-Tetralogie“ (1940-43), die als Porträt der natio­nalsozialistischen Zeit gilt. 1942, zum 80. Geburtstag, erhält Hauptmann Ehrungen in Breslau und Wien mit zahlreichen Festaufführungen. 1945 wird er zum Ehrenpräsident des Kulturbundes ernannt. Der Dichter erlebt im Februar 1945 die Bombenangriffe auf Dresden, die ihn erschüttern. Er erholt sich nicht mehr davon. Nach dem Kriegsende schützt ein polnischer Schutzbrief den Dichter und sein "Haus Wiesenstein". Am 6. Juni 1946 stirbt Gerhart Hauptmann in Agnetendorf und wird später auf dem Friedhof von Kloster Hiddensee beigesetzt.






Goethestraße
Johann Wolfgang von Goethe (1749 - 1832)

Johann Wolfgang von Goethe wurde in Frankfurt am Main geboren und wuchs in wohlhaben­den Verhältnissen auf. Sein Vater war ein gebildeter Mann, der sein Leben nach strengen Grundsätzen führte, ohne dass er einen richtigen Beruf gelernt hätte. Seine Mutter dagegen war eine frohe, heitere Frau mit viel Wärme, Phantasie und Humor. Beide Eigenschaften seiner El­tern hatte der Sohn geerbt.

 

Entgegen seinen schöngeistigen Neigungen studierte Goethe, bisher vielseitig unterrichtet von Hauslehrern und von seinem strengen Vater, auf dessen Wunsch ab 1765 in Leipzig Rechts­wissenschaft. Mit einigen Liedersammlungen und Lustspielen im Rokokostil veröffentlichte er hier seine ersten Dichtungen, übernahm sich aber mit Arbeit und Geselligkeit und kehrte 1768 schwer krank heim.

 

Zum weiteren Jurastudium ab 1770 in Straßburg, bedichtete Goethe in dieser seiner „Sturm- und Drangzeit“ die Natur und seine Liebe zur Pfarrerstochter Friederike Brion: „Mailied“, „Will­kommen und Abschied“. Nach Abschluss seines Studiums war Goethe ab 1772 im Reichs­kammergericht in Wetzlar und dann Rechtsanwalt in Frankfurt, aber ohne dass ihm seine Arbeit Spaß gemacht hätte. Er wäre viel lieber ein unabhängiger Schriftsteller gewesen. Aber dieser Beruf konnte ihn nicht ernähren. Das Drama „Götz von Berlichingen“ – der Kampf des einzelnen gegen die Obrigkeit – erhielt 1773 seine Endform. Eine Zwischenpraxis am Reichskammerge­richt in Wetzlar 1772 führte zu der Begegnung mit Charlotte Buff, woraus 1774 – 87 der emp­findsam-schicksalhafte Briefroman „Die Leiden des jungen Werthers“ entstand. Nach der Rück­kehr von seiner Schweizreise mit Graf Stolberg (1775) lud Herzog Karl August ihn nach Weimar ein, wo Goethe einen ihm gemäßen literarischen Kreis antraf, dem neben dem Herzogspaar u.a. Karls Mutter Anna Amalia Wieland sowie Charlotte von Stein angehörten; letzterer blieb er über zehn Jahre lang leidenschaftlich verbunden. Als Prinzenerzieher und Verwaltungsfach­mann für Finanzen und Bergbau, Militär-, Theater- und Bildungswesen spielte der ab 1779 Ge­heime Rat Goethe in dem Fürstentum schließlich eine maßgebende Rolle. Neben all diesen Aufgaben begannen die Arbeiten an seinen großen klassischen Dramen „Iphigenie auf Tauris“ (1779 – 87), „Egmont“ (1788), „Faust I“ (1808) und an dem Eheroman „Die Wahlverwandt­schaften“ (1809). Dazu kamen der Beginn der naturwissenschaftlichen Studien – die ihn u.a. zur Entdeckung des menschlichen Zwischenkieferknochens führten -, etliche Reisen durch eu­ropäische Länder, sowie zahlreiche gesellschaftliche und kulturelle Verpflichtungen, darunter Aufführungen seiner Lustspiele und Dramen. Auf der ersten Italienreise (1786 – 88) suchte er, neben der inneren Loslösung von Frau von Stein, eine körperliche und vor allem geistige „Wie­dergeburt“, die er im Erleben der Antike und der Renaissance fand, im Kontakt mit dem Volk und mit zahlreichen Künstlern und Gelehrten. Goethe bekam mannigfache Anregungen für seine Dichtung und für seine naturwissenschaftlichen Interessen, vor allem in der Mineralogie und Geologie, und begann auch wieder zu zeichnen. Viele seiner Werke erfuhren Umdichtun­gen oder erhielten ihre letzte Form.

 

Nach seiner Rückkehr aus Italien nahm Goethe Christiane Vulpius, eine junge Frau, in sein Haus, die er 1806 schließlich heiratete. Sie gebar ihm fünf Kinder, von denen aber nur sein Sohn August (1789 – 1830) am Leben blieb. Das Ergebnis der zweiten kurzen Italienreise (1790) waren die „Venezianischen Epigramme“. Von amtlichen Aufgaben nun weitgehend ent­bunden, konnte Goethe sich ab 1791 der Leitung des Weimarer Hoftheaters und – voller Ehr­geiz und in engerem Kontakt zur Universität Jena – vor allem der Zoologie und der Optik wid­men. Eine ganz neue Schaffensperiode – Goethe entdeckte die Romantik für sich – bedeutete die gegenseitig höchst enge Zusammenarbeit mit Schiller. Von positiver Kritik angeregt, arbei­tete Goethe mehrere große Werke um, z.B. „Wilhelm Meisters Lehrjahr“ (1795) und „Faust I“; er schrieb auch das idyllische Versepos „Hermann und Dorothea“ (1797). Mit neuem wissen­schaftlichem Auftrieb entstanden anatomische und optische Abhandlungen, die Vorstellungen von der Metamorphose aller Lebewesen und die „Farbenlehre“ (1810). Im Wettstreit mit Schil­lers Balladen verfasste Goethe 1797 „Der Zauberlehrling“ und „Der Gott und die Bajadere“.

Mit Herders (1803), Schillers (1805) und Wielands (1813) Tod war der alte Weimarer Dichter­kreis auseinandergebrochen, aber neu in Goethes Umgebung waren W. von Humboldt, der Physi­ker J.W. Richter sowie die Jenaer Philosophen und Romantiker, was sich auf seine naturwis­senschaftlichen und lyrischen Arbeiten auswirkte. Etwa ab 1810 begann Goethe mit den auf sein Lebenswerk zurückblickenden Arbeiten wie „Dichtung und Wahrheit“ (1811 – 13), die selbst wieder ein Kunstwerk darstellt, und spätere Ergänzungen. Aus der Vertiefung in altpersi­sche Dichtung (1814) entstand in einem einzigartigen neuen lyrischen Stil von der Altersweis­heit erfüllte „West-östliche Divan“ (1819), in den die Reisebegegnungen mit Marianne von Wil­lemer 1814 ebenso hineinverwoben wurden wie Weltanschauung und Naturwissenschaft, Theo­logie und Ästhetik. Ein letztes Mal kam durch Ulrike von Levetzow Goethes Ansprechbarkeit für junge Frauen in seinen schönsten Liebesgedichten 1823 – 24 „Trilogie der Leidenschaft“ und „Marienbader Elegie“ zum Ausdruck, gleichermaßen geprägt von Sehnsucht wie von Resigna­tion. Den Abschluss des auf das abendländische Geistesleben unabsehbar nachwirkenden Schaffens des größten europäischen Dichters bilden die Werke von „Wilhelm Meisters Wan­derjahre“ (1829) und „Faust II“ (1831).

 

Johann Wolfgang von Goethe verstarb im März 1832 im Alter von 82 Jahren in Weimar.





Grünewaldstraße
Matthias Grünewald (eigentl. Mathis Gothart oder Nithart, 1470 – 1528)

Matthias Grünewald wurde um 1470 in Würzburg geboren. Aus seinem Leben ist kaum etwas bekannt, nicht einmal alle ihm zugeschriebenen Arbeiten sind mit Sicherheit von seiner Hand, den Beinamen „Grünewald“ gab ihm Joachim von Sandvart. Grünewalds frühestes bekanntes Werk ist die „Verspottung Christi“ (1503). Es folgten das oft variierte Thema „Kreuzigung Christi“ (1505) und, im Dienst des Mainzer Erzbischofs Uriel von Gemmingen, Umbauarbeiten am Schloss von Aschaffenburg. 1509 malte Grünewald die vier Standflügel des Heller-Altars in Grisaille und 1513 – 1515 sein gewaltiges Hauptwerk, den Isenheimer Wandelaltar für das dortige Antoniterkloster, dessen doppelte Flügeltüren auf beiden Seiten Szenen aus dem Leben Jesu und einiger Heiliger tragen, wobei das leuchtende Rot auf blaugrünem Grund dominiert. Offen für alle Stilrichtungen, formte Grünewald eine eigene unverwechselbare, noch der Spätgotik verhaftete Malkunst, mit der er die mystische Religiosität der Figuren und Szenen in starker Farbigkeit und oft visionärem Licht in höchster Vergeistigung ebenso wiedergab wie in krassem Naturalismus.

Seit 1516 stand Grünewald im Dienste des Mainzer Kardinals Albrecht von Braunschweig, für den er um 1520 – 1523 „Die Heiligen Erasmus und Mauritius“ malte. Von 1519 stammt die Tafel des „Maria-Schneewunders“, Teil eines Altares, zu dem vielleicht auch die „Stypacher Maria“ gehörte. Das Werk Grünewalds, von dem offensichtlich Vieles im Dreißigjährigen Krieg verloren ging, enthält neben den 23 Tafelbildern 37 Zeichnungen und eine Reihe von in der Urheberschaft umstrittenen Blättern.

Nach der Niederwerfung der Bauernaufstände (1525) verlor Grünewald sein Hofamt, ging nach Frankfurt, wo er als Seifensieder tätig war, und 1528 weiter nach Halle; hier betreute er als „Wasserkunstmacher“ die Brunnen der Stadt. Matthias Grünewald verstarb am 31.08.1528 in Halle / Saale.





Hans-Stettheimer-Straße
Hans Stettheimer (eigentlich: Maister Hanns von Burkhausen)

Hans Stettheimer gilt als der größte Kirchenbaumeister, Architekt, Statiker und Steinmetz der Spätgotik in Altbayern.

Er wurde zwischen 1350 und 1360 in Burghausen geboren und er dürfte sich dort in der Zeit des Wiederaufbaues nach dem großen Stadtbrand die handwerklichen Grundkenntnisse für seine spätere Kunst erworben haben. Seine Lehrzeit war in den Jahren von 1370 bis 1375 und dann folgten die, in der damaligen Epoche üblichen, vorgeschriebenen Wanderjahre von 1375 bis 1385 als Geselle.


In Bayern wurden von diesem Meister sieben Hallenkirchen erbaut. Dies sind die Kirche St. Martin und die Spitalkirche in Landshut, St. Jakob und der Weiterbau der Karmeliterkirche in Straubing, die Franziskanerkirche in Salzburg (Anbau eines spätgotischen Chores an das romanische Langhaus), die Kirche St. Jakob in Wasserburg sowie Chor und Turm von St. Nikolaus in Neuötting. Außerdem erstellte er die Planung für das Liebfrauen-Münster in Ingolstadt. Der Bau von St. Jakob begann 1418 und währte durch das ganze 15. Jahrhundert, auch hier ist an den herrlichen, überschlanken Pfeilern des Backsteinbaus die Hand von Stettheimer zu erkennen. Die genannten Bauwerke zu Neuötting und Wasserburg, deren Leitung Stettheimer innehatte, konnten nicht mehr zu seinen Lebzeiten vollendet werden. Maiser Hanns hat, als er am 10.08.1432 in Landshut starb, eben noch die Kirche selbst vollendet gesehen, aber es sind nach seinem Tode noch 80 Jahre hingegangen, bis auch der Turmbau abgeschlossen war. Das steingehauene Antlitz des Baumeisters ist an der Außenmauer des südlichen Seitenschiffs der Landshuter Martinskirche zu besichtigen.





Haydnstraße
Joseph Haydn (1732 - 1809)

Joseph Haydn wurde wahrscheinlich am 31.03.1732 im niederösterreichischen Rohrau geboren. Der Sohn eines Wagenbauers trat mit acht Jahren in den Chor der Wiener Stephanskirche ein und führte nach seinem Stimmbruch (1749) ein kümmerliches Dasein als Gelegenheitsmusiker, bis ihn der damals berühmte Komponist Porpora als Kammerdiener einstellte.

1759 war er beim Grafen K.J.F. Morzin in Pilsen, wo bereits erste Trios, Quartette und Sinfonien entstanden. Durch seine frühen Klaviersonaten und Streichquartette bekannt geworden, stellte ihn Fürst Esterházy 1761 als zweiten Kapellmeister seiner Privatkapelle in Eisenstadt ein, deren alleinige Leitung Haydn 1766 übernahm und 24 Jahre innehatte. Nach 30 Jahren im Dienst des Fürsten Esterhazy ging Haydn als international berühmter Komponist nach London und feierte dort wahre Triumphe.

Die Kunst von G. F. Händel machte starken Eindruck auf Haydn und dessen Musik regte ihn an, einige seiner Oratorien zu schreiben. Durch "Die Schöpfung" (1798) und "Die Jahreszeiten" (1801) wurde Haydn zum Begründer des Oratoriums.

1791 wurde er sogar Ehrendoktor der Universität Oxford. Aus diesem Anlass schrieb er die "Oxford Symphonie" und viele weitere folgten noch darauf. Von seinen 100 Sinfonien können Nr. 37 "La Chasse", Nr. 82 "Lours", Nr. 83 "La Poule", Nr. 85 "La Reine" und Nr. 92 "Oxford-Sinfonie" als Meilensteine in der Entwicklung der klassischen Sinfonie angesehen werden. 1792/93 unterrichtete Haydn in Wien die Komposition. Einer seiner Schüler war Ludwig van Beethoven. 1795 wurde Haydn Kapellmeister bei Fürst Nikolaus II. Esterhazy. Er schrieb in dieser Zeit auch sein letztes Streichquartett, das "Kaiserquartett" mit der Melodie der deutschen Nationalhymne.

Haydn starb 1801 kurz nach der Besetzung Wiens durch die Franzosen. 1820 wurde er nach Eisenstadt überführt. Der Schädel von Joseph Haydn wurde dabei entwendet und konnte erst 1959 den Gebeinen wieder hinzugefügt werden.





Heinrich-Hertz-Straße 
Heinrich Rudolf Hertz (1857 - 1894)

1874 machte Heinrich Rudolf Hertz sein Abitur am Hamburger Johanneum Gymnasium. Er begann in Dresden das Studium der Ingenieurwissenschaften am Polytechnikum. Hertz verließ nach 5 Monaten Dresden, um in Berlin 1877 seinen einjährigen Militärdienst beim Eisenbahnregiment abzuleisten.

 

Im Wintersemester 1877/78 nahm er das Ingenieurstudium am Polytechnikum in München auf, wechselt dann aber auf Naturwissenschaften an der Universität in München, um nach einem weiteren Jahr nach Berlin zu übersiedeln, wo er Physik studierte. 1879 erhielt er für die Lösung einer Preisaufgabe (Nachweis einer trägen Masse von elektrischen Selbstinduktionsströmen) von Helmholtz die Goldmedaille der Humboldt-Universität. 1880 trat er die Assistentenstelle bei Helmholtz an. 1883 erfolgte Hertz’ Wechsel an die Christian-Albrecht-Universität in Kiel.

 

Im Sommer 1885 wechselte Hertz an die Technische Hochschule Karlsruhe, wo er die Existenz der elektromagnetischen Wellen, der „Hertzschen Wellen“, entdeckte. Er wies nach, dass sie sich auf die gleiche Art und mit der gleichen Geschwindigkeit ausbreiten wie Lichtwellen. Seine Ergebnisse lieferten die Grundlage für die Entwicklung der drahtlosen Telegraphie und des Radios. Am 13. November entdeckte er die Übertragung seiner Wellen über einen Abstand von 1,5 m von einem primären auf einen sekundären "Stromkreis". Damit hatte er Sender und Empfänger elektrischer Wellen konstruiert. Auch der äußere Photoeffekt wurde von Hertz entdeckt (1886).

 

1886 heiratete er Elisabeth Doll, die Tochter des Kollegen Max Doll. Aus dieser Ehe gingen zwei Töchter hervor.

 

1889 wurde Hertz Professor an der Universität Bonn. Im Jahre 1893 hat er sein letztes theoretisches Werk, "Die Prinzipien der Mechanik - in neuem Zusammenhange dargestellt", fast vollendet. Hertz beobachtete 1892 den Durchgang von Kathodenstrahlen durch dünne Metallschichten und eröffnete dem Physiker Lenard die Möglichkeit, ihre Natur zu klären. Ebenfalls stammt von Hertz die exakte Definition der Härte.

 

Er schuf die physikalische Voraussetzung für die Entstehung der Funktechnik.

 

Hertz starb am 1. Januar 1894, noch nicht einmal 37jährig, an einer Sepsis in seinem Haus in Bonn.





Herzog-Karl-Theodor-Straße
Herzog Karl Theodor (1839 - 1909)

Er war ein Sohn von Maximilian Herzog in Bayern und der bayerischen Königstochter Ludovika. Mit 14 Jahren trat er in die bayerische Armee ein und wurde schließlich General der Infanterie. Nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst entschied er sich für ein Studium an der Ludwig-Maximilians-Universität, zunächst in den Fächern Philosophie, Jura und Nationalökonomie, und schließlich im Fach Medizin, das er 1880 mit dem Staatsexamen und anschließender Promotion zu Dr. med. abschloss. Anschließend hospitierte er bei Professor Artl in Wien und bei Professor Horner in Zürich. Fünfzehn Jahre lang praktizierte er abwechselnd in München. am Tegernsee und in Meran.

 

Karl Theodor war seit 1865 in erster Ehe mit seiner Cousine, Prinzessin Sophie von Sachsen verheiratet. Sie schenkte ihm noch im gleichen Jahr eine Tochter. Nur zwei Jahre später stirbt Sophie. Erst 1874 ging der Herzog seine zweite Ehe mit Marie-Jose ein, die ihm fünf Kinder gebar. Marie-Jose ließ sich später zur Operationsschwester ausbilden, um ihren Ehemann bei Operationen assistieren zu können.

 

1895 erwarb er zusammen mit seiner zweiten Frau Marie-José ein Grundstück und gründete die private Augenklinik Herzog Karl Theodor in München, die heute zu den renommiertesten in Bayern gehört. In den ersten vierzehn Jahren des Bestehens der Klinik führte er mehr als 5.000 Staroperationen durch und beriet und behandelte weitere Augenkranke.

 

Im November 1909 erkrankte der Herzog nach einer Jagd in Langenau ernstlich an einem Blasenleiden. Eine Nierenentzündung und eine schwere Bronchitis folgten. Am 30. November verstarb Herzog in Bad Kreuth.





Ina-Seidel-Straße
Ina-Seidel (1885 – 1974)

Ina Seidel wurde am 15.09.1885 in Halle an der Saale geboren. 1907 heiratete sie ihren Vetter, den Pfarrer und Schriftsteller Heinrich Wolfgang Seidel, und begann während einer von Krankheit überschatteten Zeit mit der Niederschrift religiös verinnerlichter Gedichte, die während des 1. Weltkrieges vaterländischen Trostcharakter annahmen.

Es folgten sich im magischen abspielende Erzählungen, u.a. „Die Fürstin reitet“ (1926) und „Unser Freund Peregrin“ (1940), sowie großangelegte, psychologische Schicksalsromane auf historischem Hintergrund mit der Betonung des Ur-Mütterlichen: „Das Wunschkind“ (1930), „Lenakker“ (1938), „Das unverwesliche Erbe“ (1954) und „Michaela“ (1959).

Die Dichterin war wegen ihrer Haltung zum Nationalsozialismus umstritten.

Am 2. Oktober 1974 verstarb Ina Seidel in Schäftlarn bei München.





Kopernikusstraße
Nikolaus Kopernikus (1473 - 1543)

Die Familie Kopernikus gehörte zur Bürgerschaft der Hansestadt Thorn an der Weichsel im heutigen Polen. Der Vater, Nikolas Koppernigk, war ein wohlhabender Kupferhändler und Regierungsbeamter. Nikolaus war zehn Jahre alt, als sein Vater starb. Sein Onkel Lukas Watzerode, der Bruder seiner Mutter Barbara Watzenrode, war der Fürstbischof von Ermland und sorgte für die Ausbildung der vier Waisen.

 

Die Nationalität von Kopernikus kann kaum sinnvoll auf heutige Verhältnisse übertragen und als ausschließlich polnisch oder deutsch angegeben werden. Dies spiegelt sich schon im Namen wieder. Im Deutschen wird er allgemein Nikolaus Kopernikus genannt, aufgrund der latinisierten Version Copernicus des ursprünglichen Familiennamens Koppernigk. Im Polnischen wird er als Mikolaj Koppernigk bezeichnet. Die Muttersprache von Kopernikus war das Deutsche (Zu seiner Geburtszeit hatten fast alle größeren Städte Polens eine deutsche Bevölkerungsmehrheit).

 

Kopernikus studierte 1491 – 1495 in Krakau und 1496 – 1500 in Bologna Astronomie, Philosophie und Naturwissenschaften, ab 1501 in Rom, Padua und Ferrara Medizin und Jura. 1503 promovierte er zum Doktor des Kirchenrechts. Nach Polen zurück gekehrt, wurde er 1506 Sekretär und Leibarzt seines Onkels, des Bischofs von Ermland. Hier arbeitete er seine neuen Ansichten über den Bau des Sonnensystems aus. Das gesicherte Einkommen ermöglichte Kopernikus, den Bewohnern von Ermland 40 Jahre lang ärztliche Hilfe zu geben, was er für Bedürftige kostenfrei tat. Er hatte als Administrator die Regierungsgeschäfte zu regeln und reformierte zusammen mit dem Hochmeister des Deutschen Ordens, Albrecht von Hohenzollern das preußische Münzwesen. 1509 stellte Kopernikus die Theorie von der Sonne als Mittelpunkt der Planetenkreise und der durch die Drehung der Erde scheinbare Bewegung der Fixsterne auf. Auch kündigte er in dieser Schrift eine mathematische Ausarbeitung seiner Theorien an. Diese Arbeit macht er nur Vertrauten zugänglich, um sich nicht dem Spott der Fachwelt auszusetzen, stellte er doch damit das seit 1300 Jahren unbestrittene geozentrische Weltbild des Ptolemäus in Frage. Die damals gültige Vorstellung, nach der die Erde der ruhende Mittelpunkt des Alls Darstellte, befriedigte Kopernikus nicht, da sie ihm viele Fragen, besonders die jeweilige Stellung der Planeten, nur unvollkommen beantwortete. Die Freunde des Kopernikus versuchten jahrzehntelang, Kopernikus zur Veröffentlichung seiner astronomischen Arbeiten zu bewegen. Lange zögerte er damit, weil seine Berechnungen nicht durch genügend genaue Beobachtungen gestützt waren und deshalb eine Ablehnung durch das wissenschaftliche Establishment zu erwarten war. Im Jahr 1512 wurde Kopernikus Domherr in Frauenburg. 1520 verlegte er seine Residenz nach der Zerstörung Frauenburgs durch Ordensritter im sog. nach Allenstein. 1521 kehrte Kopernikus nach Frauenburg zurück. Neben seiner Verwaltungsarbeit für das Bistum widmete er sich nun vor allem seinen astronomischen Studien, mit denen er eine weitreichende Änderung des allgemeinen Weltbildes herbeiführte.

 

Das grundlegende Werk des Kopernikus über seine bahnbrechenden Erkenntnisse „Über die Kreisbewegungen der Weltkörper“ erschien 1534 kurz vor seinem Tod; obwohl dem Papst gewidmet, kam es 1616 auf den Index der vom Vatikan verbotenen Bücher.

 

Laut zeitgenössischen Unterlagen wurde Kopernikus in der Kathedrale in Frauenburg begraben. Die genaue Stelle des Grabmals ist nicht bekannt. Da die Kirche während der Schwedenkriege stark verwüstet wurde, kann es sein, dass die sterblichen Überreste nicht an ihrem ursprünglichen Platz blieben. Im November 2005 wurde anhand eines Schädels eine Rekonstruktion des Gesichtes erstellt.





Körnerstraße
Karl Theodor Körner (1791 - 1813)

Karl Theodor Körner wurde am 23.09.1791 in Dresden geboren. Der Sohn von Christian Gottfried Körner, einem Freund und Gönner Schillers, wurde durch seine Umgebung früh zu eigenem literarischem Schaffen angeregt. Er genoss eine fürsorgliche Erziehung und studierte an der Bergakademie Freiberg, danach in Leipzig und Berlin Philosophie, Geschichte und Naturwissenschaften. Ab 1811 lebte er in Wien, wo er u.a. mit Karl Wilhelm Freiherr von Humboldt, Friedrich Schlegel und Joseph Freiherr von Eichendorff verkehrte. Dort errang er große Erfolge mit Lustspielen in Richard-Wagner-Straße
Richard Wagner (1813 - 1883)

Der Komponist wurde als neuntes Kind des Polizeiaktuarbus Carl Friedrich Wagner und der Bäckertochter Johanna Rosine Wagner geboren. Sechs Monate nach seiner Geburt starb der Vater an Typhus. Im August 1814 heiratete Wagners Mutter den Schauspieler und Dichter Ludwig Geyer. Noch 1814 übersiedelte die Familie nach Dresden. 1815 wurde Richards Halbschwester Cäcilie geboren.

 

Im Jahr 1817 wurde Wagner eingeschult. Zwei Jahre später starb sein Stiefvater. Richard kam zu seinem Onkel. Unter dem Namen Wilhelm Richard Geyer besuchte er ab Dezember 1822 die Kreuzschule in Dresden. 1828 bis 1830 lernte er in Leipzig unter dem Namen Wagner an der Nikolaischule sowie an der Thomasschule. Mit 16 Jahren erlebte Wagner Wilhelmine Schröder Devrient in Beethovens Fidelio. Von nun an stand für ihn fest, dass er Musiker werden wollte. Ab 1831 studierte er an der Universität Leipzig Musik. Bereits 1834 war er Kapellmeister in Magdeburg und 1836 in Königsberg. Hier heiratete er am 24. November Minna Planer. 1837 verzog er nach Riga, von wo er 1839 wegen seinen Schulden über London nach Paris flüchtete. 1842 war er Kapellmeister in Dresden und beteiligte sich 1849 an der Mairevolte. Daraufhin flüchtete er ins Asyl in die Schweiz. Nach der Amnestierung im Jahre 1861 wurde er 1864 durch König Ludwig II. nach München berufen. Durch Intrigen vertrieben suchte er in Trieben bei Luzern Zuflucht und heiratete Cosima von Bülow, mit der er schon jahrelang ein Verhältnis hatte. Aus dieser Ehe gingen zwei Töchter und ein Sohn hervor. Im Jahre 1872 übersiedelte er nach Bayreuth, wo im selben Jahr mit dem Bau des Festspielhauses begonnen wurde. Im Bayreuther Festspielhaus schuf Wagner ein „unsichtbares Orchester“, indem er den Orchestergraben mit einer Abdeckung zum Publikum hin abschirmen ließ („mystischer Abgrund“). Die dramatische Handlung auf der Opernbühne blieb so der alleinige Blickpunkt, während das Orchester nicht zu sehen war. Außerdem lag ihm an der dadurch entstehenden Klangqualität. Die besondere Akustik beruht auch darauf, dass es ein Holzbau ist, dass der Zuschauerraum keine Logen an den Seiten hat und die Sitze ungepolstert sind. Die Idee dazu war ihm schon in Riga gekommen, wo er in einer Art Scheune dirigieren musste, von deren Akustik er jedoch begeistert war. In Anwesenheit Kaiser Wilhelms I. fanden ab 13. August 1876 die ersten Bayreuther Festspiele mit dem Ring des Nibelungen statt. 1882 beendete Wagner sein „Weltabschiedswerk“, das Musikdrama „Parsifal“, eine Verbindung aus Oratorium und Mysterienspiel, das 1882 als Programm der 2. Bayreuther Festspiele uraufgeführt wurde. Anschließend reiste er zur längst nötigen Erholung nach Italien, starb aber in Venedig an einem chronischen Herzleiden.

 

Neben den Bühnenwerken schrieb Wagner, einer der größten und unabsehbar nachwirkenden Komponisten des 19. Jahrhunderts – u.a. wies die Anwendung der traditionalen Tonalität bis an ihre Grenzen der Neuen Musik den Weg –, ein Oratorium: „Das Liebesmahl der Apostel“ (1843), Lieder und mehrere Orchesterwerke sowie eine Reihe musiktheoretischer Abhandlungen.






Robert-Koch-Straße
Robert Koch (1843 - 1910)

Robert Koch wird am 11. Dezember 1843 in Clausthal im Harz geboren. Er beginnt sein Studium in Göttingen im Jahre 1862, wobei er sich zunächst der Mathematik und verschiedenen naturwissenschaftlichen Fächern zuwendet. Bereits nach zwei Monaten entdeckt er jedoch sein Interesse für die Medizin. 1865 tritt er eine Assistentenstelle an und gewinnt eine medizinische Preisaufgabe. 1866 besteht er das Staatsexamen und ist danach als Arzt tätig.

 

Im Juli 1867 heiratet Robert Koch in Clausthal die Pfarrerstochter Emmy Adolfine Fraatz. Aus der Ehe geht eine Tochter hervor. 1870/71 meldet er sich als Freiwilliger im Deutsch-Französischen Krieg und arbeitet im Feldlazarett. Danach ist er 8 Jahre als Kreisarzt in Wollstein tätig. Dabei stößt er 1876 bei der Untersuchung einer Infektionskrankheit auf keimfähige Sporen im Milzbrandbazillus und kann damit erstmals lebende Mikroorganismen als Erreger einer Krankheit nachweisen.

 

Am 9. Juli 1880 nimmt Koch eine Tätigkeit am Kaiserlichen Gesundheitsamt in Berlin auf. 1882 entdeckt er das Tuberkulosenbakterium (Koch`scher Bazillus). Die Entdeckung gilt als der endgültige Beweis der Existenz bakterieller Krankheitserreger und eröffnet neuartige Therapiemöglichkeiten.

1883 leitet er im britischen Regierungsauftrag eine Forschungsexpedition nach Indien, wo eine Cholera-Epidemie wütet. Als Ergebnis dieser Expedition kann er noch im gleichen Jahr den Cholera-Erreger identifizieren. 1885 wird er zum Professor der Hygiene an der Berliner Universität berufen und zum Leiter des neugegründeten Instituts für Tropenkrankheiten. Hier beschäftigt er sich mit der Schaffung von Impfstoffen gegen Tuberkulose. Das Präparat wird 1890 anlässlich des Internationalen Medizinischen Kongresses in Berlin vorgestellt und begeistert aufgenommen.

 

1893 trennt er sich von seiner Frau und heiratet mit 50 Jahren in Berlin die 17jährige Hedwig Freiberg. Von 1897 bis 1906 unternimmt Koch wiederholte Forschungsreisen in die Tropen in Begleitung seiner Frau. Er untersucht Entstehung und Ausbreitung der Malaria, der Schlafkrankheit und der Rinderpest. Gegen die letzte konnte er ein Heilmittel finden.

1904 zieht sich der Koch aus der Leitung des Instituts zurück, bleibt jedoch wissenschaftlich tätig. 1905 erhält er für seine Untersuchungen und die Entdeckung des Tuberkulins den Nobelpreis für Medizin.




Röntgenstraße 
Wilhelm Conrad Röntgen (1845 - 1923)
 

Wilhelm Conrad Röntgen wurde als einziges Kind eines hoch angesehenen Tuchfabrikanten geboren. Aus wirtschaftlichen Gründen zog die Familie 1848 nach Apeldoorn in die Niederlande. Von 1865 bis 1868 studierte Röntgen an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich. Er betrieb das Studium des Maschinenbaus mit großem Ernst und Interesse und besuchte ne­benher zur Weiterbildung andere Veranstaltungen, die ihn besonders interessierten, vor allem über Kunst, Literatur und Geschichte. 1868 verlobte er sich nach bestandener Diplomprüfung als Maschinenbauingenieur mit Anna Bertha Ludwig, die er 1872 heiratete. In der nachfolgenden Zeit absolvierte der 24-jährige Röntgen bei dem nur sechs Jahre älteren Profes­sor der Experimentalphysik August Kundt ein Aufbaustudium in Physik. Am 22. Juni 1869 promovierte Röntgen an der Universität Zürich in Physik mit „Studien über Gase“. In den folgenden Jahren blieb Röntgen als Assistent bei Kundt und folgte ihm 1870 zur Universität Würzburg. Dort veröffentlichte er, in den „Annalen der Physik und der Chemie“, seine erste wissenschaftliche Abhandlung. An der Universität Straßburg erhielt Röntgen am 13. März 1874 seine Habilitation. 1875 erhielt der erst dreißigjährige Röntgen einen Ruf auf den Lehrstuhl für Physik an die Landwirtschaftliche Akademie in Hohenheim. Die beschränkten Mittel des dor­tigen Institutes beeinträchtigten jedoch schon bald seine wissenschaftliche Arbeit. So kam er 1876 gerne dem Wunsch seines früheren akademischen Lehrers und Förde­rers Kundt nach, die Stelle des außerordentlichen Physikprofessors in Straßburg zu übernehmen. Durch seine Berufung 1879 auf eine ordentliche Professur in Gießen erhielt Röntgen in seiner wissenschaftlichen Laufbahn zum ersten Mal ein festes Gehalt. 1888 bot die Würzburger Universität, Röntgen das Ordinariat für Physik an. Röntgen nahm an und wurde fünf Jahre später Rektor der Universität. Wie viele zeitgenössische Physiker befasste sich auch Röntgen mit der Unter­suchung der Eigenschaften des Quarzes und der Verdichtbarkeit von Flüssigkeiten.

Während dieser Forschungen entdeckte Röntgen zufällig am 8. November 1895 ein neues physikalisches Phänomen, das alle anderen Wissenschaftler bisher unbeachtet ge­lassen hatte. Es waren die bis dahin unbekannten Strahlen, die er „X-Strahlen" nannte und beispielhaft gründlich erforschte. Am 22. Dezember 1895 entstanden die ersten Röntgenbilder der Geschichte. Rönt­gen fotografierte das Handskelett seiner Frau mit über 20minütiger Durchleuchtungs­zeit. In der Folgezeit bis zum Januar 1896 schrieb Röntgen drei wissenschaftliche Forschungsberichte zu dieser Entdeckung. Der erste Bericht trug den Titel "Über eine neue Art von Strahlen" und wurde in viele Sprachen übersetzt. In seiner Publikation gab Röntgen bereits Hinweise auf die me­dizinische Anwendbarkeit. So fand Röntgen öffentliche Anerkennung und Würdigung. Aber er entzog sich den vielen Ehrungen und dem Trubel und flüchtete zusammen mit seiner Frau nach Italien. Röntgen verzichtete darauf, Patentschutz auf seine Entdeckung zu beanspruchen. So konnten die Röntgen­strahlen sofort zum Nutzen der Menschen angewendet werden. Auf Anfrage sagte er der AEG, er sei der Auffassung, „dass seine Erfindungen und Entdeckungen der Allgemeinheit gehören und nicht durch Patente, Lizenzverträge und dergleichen einzelnen Unternehmungen vorbehalten bleiben dürften“. Im deutschen Sprachraum und in Polen wurden die X-Strahlen unter Missachtung des Testaments in Röntgenstrahlen umbenannt. Die oft tödlichen Nebenwirkungen der Röntgenstrahlung blieben noch lange Zeit unbekannt und kosteten vielen der Röntgenpioniere das Le­ben.

Im Jahre 1900 folgte er einem Ruf an die Ludwig-Maximilian-Universität nach München, wo Röntgen bis zu seiner Pensionierung lehrte. 1901 erhielt Wilhelm Conrad Röntgen den Nobelpreis für Physik, die höchste Ehre für einen Naturwissenschaftler, „als Anerkennung des außerordentlichen Verdienstes, den er sich durch die Entdeckung der nach ihm benannten Strahlen erworben hat“. Es war der erste Nobel­preis überhaupt, der vergeben wurde. Die 50.000 Kronen Preisgeld stiftete er der Universität Würzburg.

1919 starb nach langer und schwerer Krankheit Röntgens Frau. Im selben Jahr wurde er zum Ehrenmitglied der Deutschen Physikalischen Gesellschaft ernannt. 1921 erschien in den „Annalen der Physik“ Rönt­gens letzte wissenschaftliche Veröffentlichung „Über Elektrizitätsleitung in einigen Kristallen“. Nach dem 1. Weltkrieg und insbesondere nach dem Tod seiner Frau fühlte sich Röntgen zunehmend einsam und krank. Am 10. Februar 1923 starb Wilhelm Conrad Röntgen im Alter von 77 Jahren an Darmkrebs in München. Er ist auf Grund seines testamentarischen Wunsches auf dem Alten Friedhof in Gießen begraben, wo bereits Röntgens Eltern ihre letzte Ruhestätte fanden.





Rudolf-Virchow-Straße
Rudolf Virchow (1821 - 1902)

Rudolf Virchow kam in kleinbäuerlichen und finanziell sehr beengten Verhältnissen in Schivelbein, einer Kreisstadt im damaligen Hinterpommern, heute Swidwin/Polen, zur Welt.

Mit 18 Jahren, also im Jahr 1839, begann er als Stipendiat an der Berliner Militärärztlichen Akademie, der Pépinière, mit seinem Studium. Nach seiner Promotion im Jahre 1843 arbeitete er ab 1844 als "Kompanie-Chirurg" an der Berliner Charité, wurde hier 1844 Assistent des Prosektors, und legte im Jahr 1846 das medizinische Staatsexamen ab, habilitierte sich 1847 und erhielt zugleich die Zulassung als Privatdozent.


Anfang des Jahres 1848 erhielt er vom preußischen Kultusministerium den Auftrag, die Hungertyphus-Epidemie in Oberschlesien zu analysieren. Er benannte sehr mutig die menschenunwürdigen Lebensumstände der dort lebenden Menschen als eine wesentliche Ursache für den Ausbruch der Erkrankung.

Er gilt bis heute als Inbegriff des deutschen Mediziners und Wissenschaftlers des 19. Jahrhunderts und "Papst der Berliner Medizin" als Begründer der Zellularpathologie (Krankheitserklärung aus Zellveränderungen), vergleichenden Pathologie (Krankheiten, die bei Mensch und Tier vorkommen), Anthropologie (Abstammungslehre, Bevölkerungsbiologie) und Ethnologie (völkerkundliche Kulturforschung).

Ein berühmter Satz Virchows lautet: "Jede Zelle kann nur aus einer anderen Zelle entstehen." Mit dieser grundlegenden Erkenntnis begründete er die Zellularpathologie und damit den Grundstein der modernen Medizin. Nach dem morphologischen Gedanken der Zellularpathologie kann nicht der ganze Körper erkranken, sondern immer nur einzelne Zellen oder Zellgruppen - damit hatte Virchow als Erster den Begriff der Krankheit objektiviert.

Die überragende Persönlichkeit Virchows und seine Leistungen auf den unterschiedlichsten Gebieten sind außergewöhnlich. Als man zu seinem 80. Geburtstag ein Titelverzeichnis zusammenstellte wurde es ein Werk von 118 Seiten - 800 Arbeiten waren rein medizinischen, 1.150 anthropologischen Themen gewidmet, wobei die Zahl seiner Vorträge und Aufsätze auf anderen Fachgebieten nicht bekannt ist.

Auf kommunalhygienischem Gebiet setzte sich Virchow nachdrücklich für Verbesserungen der Gesundheitsfürsorge ein, führte 1877 die obligatorische Fleischbeschau ein, initiierte die ersten vier städtischen Krankenhäuser Berlins sowie das System der Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung der Stadt.

Rudolf Virchow starb 80jährig am 05. September 1902 in Berlin und wurde mit einem Ehrenbegräbnis für sein Lebenswerk geehrt.





Schillerstraße

Johann-Christoph-Friedrich Schiller (1759 - 1805)

Friedrich von Schiller wurde als Sohn des Offiziers und Wundarztes Johann Caspar Schiller und der Elisabeth Dorothea Schiller in Marbach am Neckar geboren. Bereits mit dreizehn verfasste er die nicht erhaltenen Theaterstücke „Absalon“ und „Die Christen“. Auf herzoglichen Befehl und gegen den Willen der Eltern musste er schon 1773 in die Militärakademie Hohe Karlsschule in Stuttgart eintreten und begann zunächst ein Rechtsstudium. Als 1775 die Akademie von Schloss Solitude in die Innenstadt von Stuttgart verlegt wurde, wechselte Schiller das Fach und begann ein Medizinstudium. Während dieser Zeit las er intensiv die Werke der Dichter des Sturm und Drang. 1779 bestand er die ersten medizinischen Examen und bat um die Entlassung. Erst nach Abschluss der Dissertation durfte er die Militärakademie als Militärarzt 1780 verlassen.

 

1781 vollendete Schiller das bereits 1776 begonnene Theaterstück „Die Räuber“, das noch im selben Jahr anonym gedruckt wurde. Am 13. Januar 1782 wurde „Die Räuber“ vom Mannheimer Theater erfolgreich uraufgeführt. Jubelstürme entfachte das Stück insbesondere beim jugendlichen Publikum. Auch Schiller war trotz des herzoglichen Verbots bei der Uraufführung anwesend. Herzog Karl Eugen warf den unbotmäßigen Dichter darauf vierzehn Tage lang ins Gefängnis und untersagte ihm bis auf weiteres, Komödien „und dergleichen Zeugs“ zu schreiben. Freiheitsbegeisterte Jugendliche gründeten in den folgenden Monaten in Süddeutschland viele „Räuberbanden“. Wegen Unterdrückung des Herzogs floh Schiller 1782 aus Württemberg und wanderte bis 1789 durch Deutschland. Er litt viel Not. Manchmal wurde ein Gedicht von ihm abgedruckt, er verdiente dadurch aber nicht viel Geld. Auch war er öfter krank. Aber immer wieder nahmen Freunde und Bewunderer ihn bei sich auf und halfen ihm eine Zeitlang aus der Not. Schiller begann einen Briefwechsel und eine Freundschaft mit Christian Gottfried Körner aufzubauen, der von 1812 bis 1816 eine Gesamtausgabe von Schillers Werken herausgab. Herzog Carl August verlieh Schiller den Titel eines Weimarischen Rates, nachdem dieser den ersten Aufzug des „Don Juan“ während einer Vorlesung las. Im April 1785 reiste Schiller zu Körner nach Leipzig, wo dieser ihm aus der finanziellen Notlage half. Im Jahr 1789 nahm Schiller durch Hilfe von Goethe eine Professur in Jena an – entgegen seinen Hoffnungen ohne Gehalt – und lehrte dort als Historiker, obgleich er Professor der Philosophie war. Im selben Jahr erschien die erste Buchausgabe des Romans Der Geisterseher, und Schiller freundete sich mit Wilhelm von Humboldt an. Am 22. Februar 1790 heiratete Schiller Charlotte von Lengefeld. Vieles deutete nun auf großes berufliches und familiäres Glück. Doch bereits 1791 erkrankte Schiller lebensgefährlich, vermutlich an Tuberkulose. Im Dezember des selben Jahres bot Ernst Heinrich Graf von Schimmelmann zusammen mit Friedrich Christian von Augustenburg Schiller zur Erleichterung der Lebenshaltung eine jährliche Pension von 1000 Taler an, die ihm fünf Jahre lang gezahlt wurde.

 

Im Jahre 1792 wurde Schiller für „Die Räuber“ neben Friedrich Gottlieb Klopstock, Johann Heinrich Pestalozzi, George Washington und Tadeusz Kościuszko zum Ehrenbürger der französischen Republik. Ursache war eher Schillers Ruf als Rebell als sein tatsächliches Wirken. Er stand der französischen Revolution zwar anfangs durchaus wohlwollend gegenüber, sah jedoch den Umschlag in die freiheits- und menschenverachtende Schreckensherrschaft der Jakobiner voraus. Schiller verabscheute zutiefst, dass der französische König später geköpft wurde. 1794 verbrachte Schiller zwei Wochen in Goethes Haus. Er hielt dabei seinen gewohnten Tagesablauf bei, das hieß, er schlief bis mittags und arbeitete nachts. Im Wissen um Schillers Traditionsbewusstsein vertuschten Goethe und seine langjährige Lebensgefährtin Christiane Vulpius ihre „wilde Ehe“. Das Versteckspiel muss in den zwei Wochen einen ungewöhnlichen logistischen Aufwand im Hause Goethes verursacht haben. Christiane Vulpius und ihr fünfjähriger Sohn August blieben im eigenen Haus unsichtbar. Schiller bezeichnete die Beziehung Goethes zu Mademoiselle Vulpius als Goethes „einzige Blöße“ und kritisierte Goethe in einem Brief für „falsche Begriffe über das häusliche Glück“. Der liberale Goethe sprach schlicht von „Ehestand ohne Zeremonie“. Goethe hingegen störte sich an Schillers Leidenschaft für das Kartenspiel und den Tabak, wie er überhaupt auch Freunden gegenüber boshaft sein konnte (die viel kolportierte Anekdote, Schiller habe nur beim Geruch fauler Äpfel dichten können, stammt von ihm).

 

1799 zog Schiller nach Weimar. Er kaufte dort ein Haus für sich und seine Familie. Durch die Freundschaft zwischen Goethe und ihm wurden beide wieder zum Dichten angeregt.

Sein letztes vollendetes Drama ist "Wilhelm Tell". In ihm schildert er den Freiheitskampf der Schweizer unter ihrem Anführer Tell.

 

Am 16. November 1802 wurde Schiller das Adelsdiplom überreicht, er durfte sich von nun an Friedrich von Schiller nennen.

 

Eine Zeitung verbreitete wenige Monate vor Schillers Tod die Falschmeldung, er sei tot. Doch im Februar 1805 erkrankte er tatsächlich sehr schwer und traf am 1. Mai zum letzten Mal auf dem Weg ins Theater mit Goethe zusammen. Am 9. Mai starb Friedrich Schiller an einer vermutlich durch eine Tuberkuloseerkrankung hervorgerufenen akuten Lungenentzündung in Weimar. Wie die Obduktion ergab, war Schillers linker Lungenflügel völlig zerstört. Auch die Nieren waren fast aufgelöst. Der Herzmuskel hatte sich zurückgebildet und Milz und Galle waren stark vergrößert.

 

Im Herbst 1826 entlieh sich Goethe heimlich Schillers Schädel aus der Anna Amalia Bibliothek. Nur seinen Freund Wilhelm von Humboldt weihte er ein, der die Sache jedoch weitererzählte. Goethe nutzte den Schädel für Studien. Schillers Gebeine wurden zunächst im Kassengewölbe auf dem Jacobsfriedhof Weimar beigesetzt. Seine sterblichen Überreste wurden am 16. Dezember 1827 in die Fürstengruft auf dem neuen Weimarer Friedhof überführt, wo später auch Goethe auf eigenen Wunsch an Schillers Seite bestattet wurde.





Schubertstraße
Franz Peter Schubert (1797 - 1828)

Franz Peter Schubert wurde als dreizehntes Kind eines Volksschullehrers geboren. Von seinen vierzehn Geschwistern wurden nur vier älter als ein Jahr. Im Alter von fünf Jahren erhielt er den ersten regelmäßigen Musikunterricht. Sein Vater lehrte ihn Violine spielen, sein Bruder Ignaz Klavier. Mit sieben bekam er Orgelunterricht. Dank seiner schönen Sopranstimme fand er mit 13 Jahren Aufnahme im Knabenchor des Wiener Konvikts, wo er viele seiner späteren langjährigen Freunde kennen lernte. In dieser Zeit war er unter anderem Schüler des italienischen Komponisten Antonio Salieri, der ihn auch sonst musikalisch förderte. Bald zeigte sich seine Begabung in der Komposition. Eine Klavierfantasie G-Dur zu vier Händen ist datiert mit „8. April – 1. Mai 1810“. Im nächsten Jahr folgten ein Streichquartett, eine weitere Fantasie, Lieder und andere Stücke. Nach dem Stimmbruch war er einige Zeit Hilfslehrer bei seinem Vater in Lichtenthal. Daneben erhielt er noch bis 1816 Unterricht bei Antonio Salieri und komponierte 1814 seine erste Oper mit dem Titel „Des Teufels Lustschloss“ sowie zahlreiche Lieder und andere Werke. Zunehmend von der Unvereinbarkeit seiner Lehrerstelle mit dem Komponieren frustriert, unternahm Schubert zahlreiche Versuche, sich als Komponist zu etablieren. Aber die Verlage lehnten die Publikation seiner Werke ab. Über seinen Freund Joseph von Spaun kam er in Kontakt mit Franz von Schober. Auf dessen Vorschlag verließ Schubert seine Lehrerstelle und zog für acht Monate in Schobers Wohnung, um mehr Zeit mit der Komposition zu verbringen. Ab dem Jahr 1818 war Schubert Berufskomponist in Wien. Ohne feste Anstellung hatte er auch kein geregeltes Einkommen und lebte in bescheidenen Verhältnissen, meist finanziell unterstützt von Freunden und Gönnern. 1818 wurde er von der Familie des Grafen Johann Esterházy als Sing- und Klaviermeister auf dessen Gut in Zselíz in Ungarn engagiert. In den folgenden Jahren ging Schuberts Schaffen quantitativ zurück, dafür zeigen die Kompositionen des Jahres 1820 eine Weiterentwicklung seines Stils. Erstmals wurden in diesem Jahr zwei von Schuberts Opern am Theater am Kärntnertor aufgeführt. Bis dahin waren seine größeren Kompositionen – mit Ausnahme der Messen – nicht über ein Amateurorchester hinausgekommen. Da beide Stücke passable Erfolge waren, konnte er sich nun an eine breitere Öffentlichkeit wenden. Aber erst als der Bariton und Opernsänger Johann Michael Vogl den Erlkönig in einem öffentlichen Konzert gesungen hatte, konnte der Verleger Anton Diabelli überzeugt werden, einige seiner Werke auf Kommission zu veröffentlichen.

Ermutigt von den Erfolgen versuchte Schubert nun, sich als Bühnenkomponist zu etablieren, wurde aber in seinen Hoffnungen enttäuscht. Dazu kam noch, dass er im Januar 1823 an Syphilis erkrankte. Ein Krankenhausaufenthalt im Herbst brachte zwar Besserung, aber schon im nächsten Frühjahr scheint die Krankheit den Komponisten auch psychisch schwer belastet zu haben („ich fühle mich als den unglücklichsten, elendsten Menschen der Welt“ schrieb er einem Freund). Im Sommer 1824 hielt er sich ein zweites Mal in Zselíz auf. Das in dieser Zeit entstandene Divertissement a l'Hongroise weist ungarische Einflüsse auf. Die Jahre 1826 bis 1828 verbrachte er – abgesehen von einem kurzen Aufenthalt in Graz – in Wien. Am 26. März 1828 gab er das einzige öffentliche Konzert seiner Karriere. Zahlreiche Lieder und Klavierwerke wurden inzwischen gedruckt. Am 19. November 1828 starb er im Hause seines Bruders Ferdinand. Die Todesursache ist in der Literatur umstritten, sowohl Syphilis als auch Typhus werden als Krankheiten genannt. Er wurde auf dem Währinger Friedhof in der Nähe von Ludwig van Beethovens Grab bestattet. 1888 wurden seine Gebeine zum Wiener Zentralfriedhof überführt.

 

In der Literatur wird Schubert traditionell gerne als verkanntes Genie dargestellt, das seine Meisterwerke unbeachtet von der Öffentlichkeit schuf. Wahr ist daran, dass Schubert mit seinen Großwerken – etwa seinen Sinfonien – keine große Wirkung erzielte und ihm mit seinen Opern nicht der ersehnte Durchbruch gelang. Ein wesentlicher Grund dafür war, dass er selbst nicht die Öffentlichkeit suchte und anders als Mozart und Beethoven erst 1827 von seinen Freunden zu einem eigenen Konzert überredet werden konnte, das dann auch ein großer Erfolg wurde. Andererseits war Schubert durch die Verbreitung seiner Lieder (u.a. „Erlkönig“ und „Heidenröslein“), durchaus überregional bekannt. Gegen Ende seines Lebens begannen sich auch die Verleger dafür zu interessieren. Rund 100 seiner Werke wurden zu seinen Lebzeiten im Druck veröffentlicht – gemessen an der Zahl von insgesamt etwa 600 Liedern nur ein kleiner Anteil, jedoch mehr, als viele seiner Zeitgenossen publizierten.





Schweppermannstraße
Schweppermann, Seyfried (1257 – 1337)

Seyfried Schweppermann, kaiserlicher Feldhauptmann, wurde geboren um 1257 in Hüllohe (Hillohe) bei Lauterhofen/Opf. und erscheint urkundlich zuerst im Jahre 1280, zu seiner Heirat mit Katharina Rindsmaul.

Als jüngster von fünf Brüdern widmete er sich von Jugend an dem Kriegsdienst und gehörte zum Gefolge des Grafen von Hirschberg. Nach dessen Tod im Jahre 1305 stand er in herzoglich-bayerischen Diensten. Er lebte auf Burg Dürrstein (Thierstein, Dietrichstein) bei Hüllohe-Lauterhofen. Nach seiner Heirat übersiedelte er nach Ottensoos bei Lauf und schrieb sich zeitweise nach diesem Ort. 1310 wurde er geadelt und Ehrenbürger der Stadt Neumarkt/Opf. Dort war er Besitzer eines Anwesens mit Wohnhaus in der Nähe der Stadtpfarrkirche.

Am 9. November 1313 fand bei Gammelsdorf ein Gefecht zwischen den Truppen Herzog Ludwig des Bayern und dem Aufgebot Herzog Friedrich des Schönen von Österreich statt.

Beide waren von verschiedenen Parteien als deutsche Könige gewählt worden. Seyfried Schweppermann spielte als Feldhauptmann (Oberbefehlshaber) der herzoglich-bayrischen Truppen bei diesem Kampf eine wichtige Rolle. Als Entschädigung und zur Belohnung erhielt er damals 300 Pfund Regensburger Pfennige und wurde 1315 mit der Burg Grünsberg bei Altdorf belehnt.

Am 18. September 1322 war Schweppermann wieder an der Seite von König Ludwig an der Schlacht bei Mühldorf beteiligt. Fast wäre der Kampf für die Bayern schon verloren gewesen, doch durch Schweppermanns List gingen die Bayern als Sieger hervor. Nach dem blutigen Kampf, bei der Verteilung der geringen Verpflegung, soll der berühmte Ausspruch: „Jedem Mann ein Ei, dem frommen Schweppermann aber zwei“ durch König Ludwig gefallen sein.

Als Dank für seine Dienste hat er ihm und seinen Nachkommen die Burgen Pfaffenhofen, Deinschwang, Berg und Heinrichsbürg (bei Neumarkt) überlassen.

Er starb 1337 in Deinschwang bei Lauterhofen/Opf. und wurde im Kloster Kastl an der Lauter beigesetzt. Durch die Umbettung im Jahre 1782 erhielt er ein neues Grabmal im Empirestil, mit dem Hinweis auf das Treffen von Mühldorf.

 



Sebastian-Kneipp-Straße
Sebastian Kneipp (1821 - 1897)

Sebastian Kneipp wurde am 17. Mai 1821 in Stephansried bei Ottobeuren geboren. Sein Vater war Weber und Kneipp wuchs daher in sehr ärmlichen und kargen Verhältnissen auf. Bereits im Alter von elf Jahren musste der Junge tatkräftig mit zum Familienunterhalt beitragen, Tücher weben und das Vieh der Bauern hüten.

 

1844 trat er ins Gymnasium in Dillingen an der Donau ein. Nach dem Studium in Dillingen und München wurde Sebastian Kneipp am 6. August 1852 in Augsburg zum Priester geweiht.

 

Die in seiner Jugend erfahrene Armut und Not hatten Sebastian nicht hart und verbittert gemacht, wohl aber aufgeschlossen für das Leid der Mitmenschen. Nun wollte er helfen, wo immer ihm Not und Leid begegneten.

 

Am 4. Oktober 1852 bekam er als dritter Kaplan in Biberach den ersten seelsorglichen Auftrag. Als solcher betreute er vor allem die Wallfahrer und die Filialgemeinden Biberachs.

1853 wurde er Kaplan in Boos. 1854 berief ihn der Bischof zum Stadtkaplan nach St. Georg in Augsburg. 1855 trat er seine neue Stelle als Beichtvater am Dominikanerinnenkloster in Wörishofen.

 

Während der Studienzeit hatte Kneipp viele Begegnungen mit der Heilkraft des Wassers gehabt. Er beschloss, die gepriesene Heilkraft des Wassers an sich selbst zu erproben. In Dillingen nahm er im November 1849 in der Donau das erste kalte Vollbad. Es bekam ihm gut. Weitere Bäder folgten. Das Blutspucken hörte auf und das Lungenleiden schwand. Sein Ruf als Wasserarzt wurde immer größer. Das früher so unbekannte Wörishofen sah immer mehr Hilfesuchende. Pfarrer Kneipp erforschte aber auch die Wirkung der Pflanzen und das Zusammenspiel von Nahrung und Bewegung beim Menschen.

 

Im April 1881 wird Sebastian Kneipp Pfarrer von Wörishofen.  Als Kneipp am 17. Juni 1897 im Alter von 76 Jahren stirbt, hinterlässt er eine einzigartige Naturheilmethode und wird durch seine Taten und Ideen zur Legende.




 
Steinstraße
Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein (1757 - 1831)

Stein, ein preußischer Politiker und Reformer, wurde am 26.10.1757 in Nassau/Lahn geboren. Er studierte Rechtswissenschaften an der Universität Göttingen und trat 1780 in den preußischen Staatsdienst ein.

Im Jahre 1804 ging er nach Berlin als Minister für Finanzen, Handel und Wirtschaft. Als solcher plante Stein, Preußen durch weitreichende Reformen für die Auseinandersetzung mit dem neuen Frankreich bereit zu machen und den alten, ständisch aufgebauten Staat durch eine liberale Erneuerung von innen heraus zu retten. Er hob innerhalb des Landes die Zölle auf, führte zur Kriegsfinanzierung Papiergeld ein und errichtete ein Amt für Statistik.

Sein grundsätzlicher Gedanke, das königliche Regierungskabinett durch moderne Ressortministerien abzulösen, führte zu seiner Entlassung durch Friedrich Wilhelm III.

Noch im Jahr seiner Entlassung wurde Stein im September 1807 auf Empfehlung Napoleons und Hardenbergs als leitender Minister zurückgeholt. Stein nutzte die ihm eingeräumten Vollmachten und begann sogleich mit der Durchführung grundlegender Reformen: Im Oktober 1807 erließ er ein Gesetz zur Bauern- und Gesindebefreiung aus der Erbuntertänigkeit und zur Aufhebung der ständischen Beschränkungen, und im November 1808 erhielten die Städte die Selbstverwaltung. Grundlegend für die Neuorganisation der Staatsverwaltung wurden die Verordnungen vom 24.11.1808: ein Staatsministerium mit Fachministern trat an die Stelle des Generaldirektoriums und die Trennung von Justiz und Verwaltung wurde eingeführt.

Nach dem Angriff Napoleons auf Russland rief Zar Alexander I. 1812 den Freiherrn als Berater nach St. Petersburg. Von Russland aus organisierte Stein die erfolgreiche Bekämpfung Napoleons. So beschloss der Zar unter seinem Einfluss, den Kampf gegen Napoleon auch nach dem Rückzug der Großen Armee über die russischen Grenzen hinaus weiterzuführen. Anschließend vermittelte er ein preußisch-russisches Bündnis gegen Frankreich.

Nach der Unterzeichnung der Konvention von Tauroggen (30.12.1812) ging er nach Ostpreußen, um dort die Grundlagen für einen Vertrag zwischen Ostpreußen und Russland zu legen. Seine Bemühungen führten dazu, dass Preußen im März in einen Krieg gegen Frankreich marschierte.

1816 zog sich Stein aus dem politischen Leben zurück und lebte zurückgezogen auf Schloss Cappenberg. Er gründete 1819 die Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde, die ab 1826 die „Monumenta Germaniae Historica“ herausgab, die bedeutendste Sammlung mittelalterlicher Quellen zur deutschen Geschichte. Am 29.06.1831 verstarb der Freiherr auf seinem Gut in Cappenberg.

 


 
Stifterstraße
Adalbert Stifter (1805 – 1868)

Adalbert Stifter wurde am 23.10.1805 in Oberplan/Böhmerwald geboren. Vom 13. bis zum 21. Lebensjahr erhielt Stifter eine Ausbildung im Benediktinerkloster Kremsmünster. Seine anschließenden juristischen und naturwissenschaftlichen Studien brach er 1830 aus Prüfungsangst ohne Examen ab und verdiente seinen Unterhalt als Landschaftsmaler und als Privatlehrer beim Wiener Adel.

Weil die Eltern seiner Jugendliebe eine Heirat verweigerten, schloss Stifter 1837 eine andere Ehe, die aber zeitlebens unglücklich blieb. 1850 bekam er die Stellung eines Schulrats und Inspektors für das österreichische Volksschulwesen in Linz – eine Aufgabe, die Stifter zunehmend als lästig empfand, so dass er sich mehr und mehr dem Schreiben zuwandte.

In seinen Erzählungen und Romanen verband Stifter die romantische Naturauffassung mit dem humanistischen Bildungsideal der Klassik und zollte im realistischen Stil der damaligen Zeit besonders den kleinen, stillen Dingen Beachtung und Ehrfurcht. Seine ruhige, ernste Prosa, die von Idylle kündenden Naturbeschreibungen und sein edel gezeichnetes Menschenbild, wird auch weiterhin immer wieder Leser finden. Adalbert Stifter verstarb am 28.01.1868 in Linz a. d. Donau.

Berühmt sind die Erzählungen: „Der Condor“ (1840), „Der Hochwald“ (1842), „Brigitta“ (1843), „Bergkristall“ (1853) sowie die Romane „Nachsommer“ (1857) und „Witiko“ (1865).

 


Tillyplatz
Johann Tserclaes Graf von Tilly (1559 - 1632)

Geboren wurde Johann Tserclaes Tilly im Februar 1559 auf dem Schloss Tilly in Brabant. Seine Erziehung erhielt er in einem Jesuitenkloster. Er trat zuerst in spanische Kriegsdienste, in denen er unter Alexander von Parma seine militärische Schule durchmachte.

1610 wurde ihm von Maximilian I. von Bayern die Reorganisation des bayrischen Kriegswesens übertragen. Beim Ausbruch des Dreißigjährigen Kriegs wurde Tilly zum Feldmarschall der katholischen Liga ernannt.

Tilly gewann viele wichtigen Schlachten und eroberte Heidelberg, Mannheim und Frankenthal (Pfalz). Infolge des entscheidenden Siegs am 5. und 6. August 1623 bei Stadtlohn im Münsterschen über den Herzog von Braunschweig wurde Tilly vom Kaiser in den Grafenstand erhoben und erhielt ebenso reiche Dotationen wie z. B. die Reichsgrafschaft Hoya.

1630 wurde Tilly an Wallensteins Stelle zum Generalissimus der ligistischen und kaiserlichen Truppen ernannt und übernahm die Durchführung des Restitutionsedikts in Norddeutschland. Nach Wallensteins Entlassung rückte Tilly in dessen Stellung als Oberbefehlshaber des kaiserlichen Heeres auf und konnte 1631 die protestantische Hochburg Magdeburg erobern.

Am 17. September 1631 in der Schlacht bei Breitenfeld wurde Tilly verwundet und sein Heer löste sich auf. Schwer verwundet nach Halberstadt gebracht, organisiert der alte Feldherr nun den Aufbau der Verteidigung der Rheinlande und an der Donau, um mit der kurbayerischen Armada das Kurfürstentum zu decken. Bei der Verteidigung des Lechübergangs bei Rain am 15. April 1632 wurde dem inzwischen 73jährigen durch eine Falkonettkugel der rechte Schenkel zerschmettert, er starb an den Folgen der Verwundung am 30. April 1632 in Ingolstadt.

Es ist geschichtlich belegt, dass der tiefgläubige Katholik dreimal in Altötting weilte, erstmals im Jahre 1630. Tilly machte bei jedem Besuch hohe Spenden. Nach seinem Tod fand Tilly auf seinem Wunsch hin in der Tilly-Kapelle in der Stiftskirche zu Altötting seine letzte Ruhestätte. Sein Herz wurde im Boden des Oktogon der Gnadenkapelle beigesetzt. Als Napoleon 1805 in Altötting übernachtete, ließ er das Gesicht des Feldherrn freilegen. Seither kann man die Gebeine Tillys durch ein Glasfenster im Metallsarg in der Tillygruft besichtigen. Im Jahr 1843 wurde ihm in der Feldherrnhalle zu München eine Statue errichtet.





Ulrich-von-Hutten-Straße
Ulrich von Hutten (1488 - 1523)

Der fränkische Rittersohn sollte Priester werden, entfloh aber 1505 der Fuldaer Klosterschule, studierte an deutschen und italienischen Universitäten Sprachen, Jura und Literatur und begann neben zeitweiligem Kriegsdienst mit seinen humanistischen Dichtungen. Hutten wandte sich dem humanistischen Studium zu.

 

In Erfurt schloss Hutten sich dem Kreis um Mutian an. In Frankfurt / Oder wurde er 1506 Baccalaureus (= Inhaber des untersten akademischen Grades auf mittelalterlichen Universitäten). 1511 weilte Hutten am Kaiserhof in Wien, 1512 in Italien. Vorübergehend wurde er aus Not Landsknecht.

 

Ulrich von Hutten war ein Dichter, der den antiken Formen neuen Inhalt zu geben wusste, und seinen unbeugsamen Freiheitsdrang allgemeine Bedeutung zu geben verstand. Er wurde auf dem Augsburger Reichstag (1517) von Maximilian I. als Dichter gekrönt und zum Ritter geschlagen.

 

Mit antirömischer Polemik in den „Dunkelmännerbriefen“ griff Hutten 1517 in den Reuchlin-Streit ein, veröffentliche eine Reihe weiterer Kampfschriften gegen die moralische Verwahrlosung der katholischen Kirche. Hutten trat in den Dienst des Kurfürsten Albrecht von Mainz und nahm an dem Feldzug gegen Herzog Ulrich 1519 teil. Er entwickelte 1520 in „Vadiscus“ ein umfassendes Reformprogramm, das sich teilweise mit den Vorstellungen Martin Luthers deckte. Ohne Huttens propagandistische Einstimmung der öffentlichen Meinung hätten Luthers Ideen wohl ein geringeres Echo erfahren.

 

Seit fünfzehn Jahren schon - während seiner gesamten Schaffenszeit - litt Hutten an Syphilis, über deren Kur er das erste medizinisch ernst zu nehmende Buch schrieb. Neun Monate später stirbt er mit der Feder kämpfende Ritter - von humanistischen Freunden verlassen und von einem katholischen Priester gepflegt - auf der Insel Ufenau im Zürichsee und hinterlässt nichts als seine Schreibfeder.

Als reinster Spiegel seines Wesens - und der Landschaft, der er entstammte - mag jenes Hutten-Wort gelten, welches inoffizielles Motto der kalifornischen Stanford University wurde: "Die Luft der Freiheit weht".






Von-Weber-Straße
Carl Maria von Weber (1786 - 1826)

Carl Maria von Weber wurde am 18.11.1786 in Eutin geboren. Er entstammte einer alemannischen Familie. Seine Jugend verlief unruhig, da sein Vater, der sich den Adelstitel eigenmächtig zugelegt hatte, eine eigene Schauspieltruppe besaß, mit der er in Deutschland umherzog.

Ab 1797 erhielt Weber Kompositionsunterricht von Michael Haydn in Salzburg; als er 14 Jahre alt war, wurde seine Oper „Das Waldmädchen“ aufgeführt. Später war er Schüler von Abbè Vogler in Wien. Seine öffentliche Arbeit begann er als Kapellmeister am Breslauer Stadttheater (1804 –06). Ab 1807 diente er als Sekretär und Musiklehrer bei Herzog Ludwig in Stuttgart, wo ihn der Hofkapellmeister Danzi mit italienischer Gesangs- und Operntechnik vertraut machte. Von seinem Herrn zu undurchsichtigen Geldtransaktionen angestiftet, wurde Weber 1810 verhaftet und aus Württemberg ausgewiesen. Weber setzte zunächst seine Studien bei Abbè Vogler in Darmstadt fort, und nahm auch seine Pianistentätigkeit wieder auf. Großen Erfolg errang er 1811 in München mit Instrumentalkompositionen und mit dem Singspiel „Abu Hassan“. 1813 bis 1816 war Weber Opernkapellmeister in Prag. Im Feuer der nationalen Erhebung entstand 1814 in Berlin der Chor-Zyklus „Leier und Schwert“ von Theodor Körner. 1817 wurde Weber Kapellmeister der neu gegründeten deutschen Oper in Dresden, die er nach anfänglichen Schwierigkeiten zu einem musikalischen Mittelpunkt machte. 1821 hatte Weber anlässlich der Eröffnung des Schauspielhauses in Berlin mit seiner deutschen romantischen Oper „Freischütz“ in Konkurrenz zur italienischen Oper unter Gasparo Spontini den ersten großen Bühnenerfolg: Der märchenhaft verbrämte Kampf zwischen Gut und Böse in einer gewaltigen Natur war ausdrucksvolles Symbol der damaligen patriotisch-freiheitlichen Bestrebungen. Unter Verwendung aller Instrumentationsmöglichkeiten gelangte Weber zu neuartigen und ungewohnten Klangfärbungen; seine Erinnerungsmotive sind Vorläufer von Richard Wagners Leitmotiven. Noch 1821 folgte die Oper „Preziosa“. „Euryanthe“ wurde 1823 in Wien aufgeführt. 1825 begann der bereits schwer tuberkulosekranke Weber mit einer Auftragsarbeit für Covent Garden in London, der Oper Oberon. Er dirigierte persönlich die Londoner Uraufführung im April 1826 und erntete wiederum stürmischen Beifall; zwei Monate später verstarb Weber in London. Seine Gebeine wurden 1844, besonders auf Betreiben Richard Wagners nach Dresden überführt.

Die weiteren Opern waren trotz der bereits bewährten Verbindung von Phantasie und Lebensnähe weniger erfolgreich und konnten sich wegen textlicher Mängel auch später nicht durchsetzen, während seine Sinfonien, Klarinetten- und Klavierkonzerte noch heute gespielt werden, ebenso die Kammer- und Klaviermusik mit der berühmten „Aufforderung zum Tanz“ (1819). Wagner komponierte ferner Bühnenmusiken (darunter zu Schillers „Turandot“ und Kleists „Käthchen von Heilbronn“), kirchliche Vokalmusik und Lieder; außerdem betätigte er sich als Musikschriftsteller und ‑kritiker.





Wilhelm-Hübsch-Platz
Wilhelm Hübsch (1882 - 1961)

Wilhelm Hübsch verbrachte die Jugendjahre in den jeweiligen Amtssitzen des Vaters. Von 1883 – 1894 lebte er in Gengenbach und 1894 bis 1901 in Konstanz am Bodensee, wo er auch das humanistische Gymnasium besuchte und im Herbst 1901 die Reifeprüfung ablegte.

 

An der Technischen Hochschule in Karlsruhe studierte er vom Herbst 1901 bis 1903 Ingenieurwissenschaften und legte die mathematisch-naturwissenschaftliche Vorprüfung für Maschineningenieure des Staatsdienstes ab.

 

Ab Herbst 1903 setzte er das Studium an der Technischen Hochschule in Berlin fort und schloss es mit der Hauptprüfung als Elektro- und Maschinenbau-Ingenieur ab. Nach dem Studium war er als Hilfsassistent tätig. Ab 1912 war er in der Projektierungsabteilung tätig und wechselte 1913 als zweiter Ingenieur zur Oberdirektion des Wasser- und Straßenbaues nach Karlsruhe. Ab Ausbruch des 1. Weltkrieges 1914 hatte er die Leitung des gesamten elektrischen Teils dieses Betriebes unter sich. 1917 wechselte er zur Gründung der „Innwerk – Bayerische Aluminium AG“ nach München, wo er in den Vorstand dieser Gesellschaft berufen wurde.

 

Kurz vor Kriegsende kam von der Reichsregierung der Befehl zur Sprengung des Betriebes und Kanalanlagen des gesamten Innwerks, der aber durch persönlichen Einsatz von Hübsch vereitelt werden konnte. Nach Ende des zweiten Weltkrieges wurde W. Hübsch im Lager in Moosburg interniert. 1946 wurde er aus dem Lager entlassen.

 

1948 wurde Wilhelm Hübsch wieder in den Vorstand des Innwerks eingegliedert. Unter seiner Leitung standen die Kraftwerksanlagen Töging, Egglfing, Ering, Gars, Wasserburg und Neuötting.





Wolfgang-Leeb-Straße
Wolfgang Leeb

Wolfgang Leeb ist etwa ab 1490 in Wasserburg und im Umland durch seine Werke und zwischen 1506 und 1514 durch Rechnungen für die Stadtpfarrkirche St. Jakob im Stadtarchiv Wasserburg nachweisbar. Er war von Beruf Rotmarmorplastiker, Maler und Bildhauer. Ob er auch Bildschnitzer war, ist in der Forschung bis heute noch nicht bestätigt.

Neben verschiedenen Gedenkschriften wird ihm im Raum Wasserburg auch die Deckplatte für das Hochgrab zu Attel zugeschrieben. In Attel ist das Hochgrab der Hallgrafen Engelbert von Limburg und seiner Gemahlin, das Wolfgang Leeb im Jahre 1509 geschaffen hat und das zu den bedeutendsten mittelalterlichen Plastiken Süddeutschlands gezählt wird, noch erhalten.

Während die Arbeiten Wolfgang Leebs zwischen 1497 und 1509 noch den klassischen Werken, der Spätgotik, zuzurechnen sind, zeigen die folgenden schon die Stilmerkmale der Frührenaissance, wie perspektivisch sich vertiefende Rundbogennischen, Pilaster-Architektur, intarsienartige Füllungen und Zwickelmedaillons. Somit kann Wolfgang Leeb als Bindeglied zwischen der Grabskulptur der Spätgotik und der Frührenaissance angesehen werden.

Bedauerlicherweise fehlt bislang eine neuere Forschungsarbeit zum Schaffen Leebs, der in den Urkunden stets „Maler“ genannt wird, uns aber bislang nur in seinen Arbeiten als Steinbildhauer entgegentritt.

Wolfgang Leeb war der Vater des in Mühldorf a. Inn bürgerrechtlich am 25.12.1517 beurkundeten Niklas Leeb, der nach neuesten Forschungen mit dem bislang „Unbekannten Meister des Hochaltars von Rabenden“ gleichzusetzen ist. Wann und wo Wolfgang Leeb gestorben ist, ist nicht bekannt.





Wöhlerstraße
Friedrich Wöhler (1800 - 1882)

Friedrich Wöhler wurde am 31. Juli 1800 als Sohn eines Stallmeisters geboren. Ab 1820 studierte er in Marburg Medizin, ab 1821 in Heidelberg Medizin und Chemie, letzteres bei Professor Leopold Gmelin. 1823 promovierte er in Heidelberg zum Doktor der Medizin. Da sein Interesse an der Chemie überwog, studierte er anschließend ein Jahr lang analytische Chemie bei Professor Jöns Jakob Berzelius in Stockholm. Von 1825 bis 1831 lehrte er an der Gewerbeschule in Berlin, von 1831 bis 1836 war er Professor an der Gewerbeschule in Kassel. Von 1836 bis 1882 arbeitete Wöhler als ordentlicher Professor der Chemie und Pharmazie an der Universität Göttingen.

 

Friedrich Wöhler erhielt während seines Lebens zahlreiche Orden und Ehrungen. So wurde er u. a. Mitglied des Instituts de France und Offizier der französischen Ehrenlegion.

Wöhler gilt als Pionier der organischen Chemie wegen seiner Synthese von Harnstoff aus Ammoniumcyanat im Jahre 1828. Diese Harnstoffsynthese eröffnete das Feld der Biochemie, da zum ersten Mal ein Stoff, der bisher nur von lebenden Organismen bekannt war, aus „unbelebter“ Materie künstlich erzeugt werden konnte. Im Jahr seiner Harnstoffsynthese wurde Wöhler im Alter von erst 28 Jahren Professor.

Schon ein Jahr zuvor, 1827, hatte er eine Reduktionsmethode zur Herstellung von metallischem Aluminium entwickelt. Mit dem gleichen Verfahren gelang ihm 1828 die Isolierung von Beryllium und Ytterbium, sowie 1856 die Darstellung von kristallinem Silizium.

Wöhler ist auch bekannt als Entdecker der Synthese von Kalziumkarbid, von Oxalsäure aus Dicyan, von Benzoesäure aus Benzaldehyd, von Hydrochinon aus Chinon. Ferner gelang ihm die Gewinnung von Nickel aus Arsennickel.






Yorckstraße
Johann David Ludwig Graf Yorck von Wartenburg (1759 - 1830)

Yorck wurde als Sohn eines Kapitäns (Hauptmann) einer Infanteriekompanie geboren. Er trat wie sein Vater in die preußische Armee ein. Mit 13 Jahren wurde er Junker in einem Infanterieregiment. 1777 wird er dann mit 18. Jahren Secondeleutnant.

 

Während eines Feldzuges 1778/79 erhob Yorck schwere Verdächtigungen (der Bereicherung) gegen einen vorgesetzten Kapitän, die mit einem Jahr Festungshaft geahndet wurden. Hier zeigte sich schon seine Eigenständigkeit und Willenskraft, auch gegenüber Vorgesetzten, die ihn in Zukunft charakterisierten. Nach der Haftentlassung fand er keine Wiedereinstellung in der preußischen Armee.

Durch eine Empfehlung des Prinzen von Preußen erlangte er aber 1781 den Posten eines Kapitäns in der niederländischen Armee. Mit dieser ging er nach Kapstadt und machte 1783/84 einen Feldzug in Ostindien mit. 1786 stellte er sich nochmals in Potsdam beim alten König vor, der seine Wiedereinstellung aber nochmals ablehnte. Erst nach einem weiteren vergeblichen Versuch bei Friedrich Wilhelm II wurde er 1787 als Kapitän wieder in preußische Dienste genommen.

 

Während des polnischen Feldzuges 1794 bewährte sich Yorck in einem Maße, dass König Friedrich Wilhelm II  auf ihn aufmerksam wurde und ihm ein eigenes Bataillon verlieh. 1799 wird er zum Kommandeur eines Jägerregimentes ernannt.

 

Während des Krieges gegen Napoleon von 1806 führte er die Vorhut des Herzogs von Weimar. In Lübeck wurde Yorck in Straßenkämpfen in der Stadt verwundet und von den Franzosen gefangen genommen. 1807, wieder in Freiheit, wurde er zum Generalmajor ernannt. Nach der Beendigung des Krieges wurde York Graf von Wartenburg zum Oberbefehlshaber in Schlesien ernannt. 1821 nahm Yorck seinen Abschied und wurde zum Generalfeldmarschall ernannt. Seitdem lebte er zurückgezogen auf seinen als Dotation verliehenen Besitzungen in Klein-Öls in Schlesien bis zu seinem Tod am 10. April 1830. Yorck war ein strenger und unzugänglicher Charakter von großer Hartnäckigkeit. Für das Wohl seiner Truppen jederzeit sorgsam bemüht, war er deshalb bei der Mannschaft beliebt.






Zeppelinstraße
Zeppelin, Ferdinand Graf von (1837 - 1917)

Graf Ferdinand von Zeppelin wurde am 08.07.1937 in Konstanz geboren. Nach dem Besuch der Technischen Hochschule beschritt Zeppelin die militärische Laufbahn, die er als Generalleutnant 1891 auf eigenen Wunsch beendete.

Er ging nun an die Ausführung seiner seit langem gehegten Pläne, ein gasgefülltes starres, aber lenkbares und motorengetriebenes Luftschiff für Personen- und Frachttransport über große Entfernungen zu bauen. 1900 startete sein Prototyp LZ1 erfolgreich aus einer schwimmenden Halle vom Bodensee.

Nach immer ausgedehnteren Flügen der Nachfolgetypen explodierte LZ4 im Jahr 1908 bei Echterdingen durch eine elektrische Entladung.

Damit schien die Weiterentweilung dieser fliegenden Giganten beendet, aber mit einer Volksspende von 6 Mio. Mark konnte Zeppelin die „Luftschiffbau Zeppelin GmbH“ in Friedrichshafen gründen und - unter maßgeblicher Mitarbeit von Hugo Eckener ab 1905 – weitere Luftschiffe bauen, die sich schließlich auf Weltreisen und im Nordatlantik-Liniendienst bewährten.

Die Katastrophe von Lakehurst, bei der 1937 LZ129 „Hindenburg“ während der Landung verbrannte, und die Konkurrenz der schnelleren Flugzeuge bereiteten jedoch dem Zeitalter der Zeppeline – nachdem 130 von ihnen gebaut worden waren - für den Personenverkehr ein Ende.

Ferdinand Graf von Zeppelin stirbt am 8. März 1917 in Berlin.
nach oben